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Wattwil
13.09.2021
14.09.2021 18:07 Uhr

Das plant die Gemeinde für das Spital

Der Gemeinderat Wattwil hat die nötigen Voraussetzungen für eine rasche Konkretisierung zur Nutzung der Spitalliegenschaft geschaffen.
Der Gemeinderat Wattwil hat die nötigen Voraussetzungen für eine rasche Konkretisierung zur Nutzung der Spitalliegenschaft geschaffen. Bild: Ivan Louis
Seit der Volksabstimmung vom 13. Juni ist definitiv klar, dass das Spital Wattwil geschlossen wird. Zwei Drittel der Toggenburger*innen stimmten anders ab. Sie sind um die medizinische Versorgung besorgt.

Der Gemeinderat Wattwil arbeitet deshalb weiter für eine Verbesserung der Nachfolgelösung. Er hat die Basis dafür geschaffen, dass das Nachfolgekonzept für die Spitalliegenschaft Wattwil rasch weiterentwickelt und eine nachhaltige Lösung konkretisiert werden kann.

Integrierte Versorgung angestrebt

Weiter hat er den Projektlead übernommen und die Basis für die weiteren Arbeiten gelegt. «Wir haben die nötigen Aufträge erteilt», erklärt Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner. «Unser Ziel ist nach wie vor, dass das Nachfolgekonzept rasch weiterentwickelt und finalisiert wird – und zwar im Sinn einer integrierten Versorgung. Mit diesem ganzheitlichen Lösungsansatz kann sowohl dem Trend der Ambulantisierung als auch den politischen Vorgaben vorbildlich nachgelebt werden.»

«Unser Ziel ist nach wie vor, dass das Nachfolgekonzept rasch weiterentwickelt und finalisiert wird – und zwar im Sinn einer integrierten Versorgung. Mit diesem ganzheitlichen Lösungsansatz kann sowohl dem Trend der Ambulantisierung als auch den politischen Vorgaben vorbildlich nachgelebt werden.»
Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident Wattwil

Nachhaltige Lösung angestrebt

Anzustreben ist aus Sicht des Gemeinderates eine Gemeinschaftslösung, zu deren Erfolg neben Gemeinde und Kanton eine breite Palette von Leistungserbringern der Gesundheitsversorgung beiträgt: von der niedergelassenen Toggenburger Ärzteschaft über die Berit Klinik, die Psychiatrie St.Gallen Nord, die Spitex Mittleres Toggenburg, die gemeindeeigenen Alters- und Pflegeheime Risi und Rosengarten bis hin zur Ergo Toggenburg oder noch weiteren Leistungsträgern. «Diese Lösung muss vor allem auf die tatsächlichen Bedürfnisse in der Gesundheitsversorgung ausgerichtet sein», betont Alois Gunzenreiner. «Aufgrund des aktuell abschätzbaren Bedarfs sehen wir für die Nutzung des Neubaus als realistisches Ziel drei Angebote: eine somatische Abteilung für Notfall, Akut- und Übergangspflege sowie medizinische Schwerstpflege, eine Abteilung für Spezial- und gerontopsychiatrische Pflege sowie eine psychosomatische Abteilung (PSA) für die Alkoholkurzzeittherapie. Der Altbautrakt soll primär für die ambulanten und therapeutischen Angebote genutzt werden.»

Kreditpositionen freigegeben

Damit die Aufträge zur Konkretisierung des Leistungsangebots, der Rollen der beteiligten Leistungserbringer und der Nutzung an der Spitalliegenschaft zielgerichtet vorangetrieben werden können, hat der Gemeinderat bereits vorhandene Budgetpositionen und einen Nachtragskredit freigegeben. «Dabei geht es um die konkreten Details: vom Bedarf an medizinischen und pflegerischen Leistungen über die Organisation der neuen Trägerschaft und die Aufteilung der Flächen bis hin zu baulichen Anpassungen», erklärt Alois Gunzenreiner. «Das Ziel ist es, möglichst rasch Gewissheit zu haben, damit eine Umsetzung schrittweise bedarfsgerecht und abgestimmt auf die vorzeitige Schliessung per Frühjahr 2022 gelingen kann. Das setzt Bereitschaft und Mitmachen aller Partner voraus.»

Eigenständige Gesellschaft geplant

«Parallel zu den Projektarbeiten will der Gemeinderat möglichst rasch die Verhandlungen mit dem kantonalen Finanzdepartement zur zugesagten Übernahme der Spitalliegenschaft abschliessen können», betont Alois Gunzenreiner. «Wie zügig das geht, hängt allerdings nicht nur von uns ab – daran muss auch der Kanton interessiert sein.» Bereits beraten hat der Gemeinderat, dass für die Übernahme der Liegenschaft eine eigenständige, gemeindeeigene Gesellschaft gegründet und kapitalisiert werden soll. Das wird eine kommunale Abstimmung bedingen. «Unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben und Fristen ist es unser Ziel, die Abstimmung so rasch als möglich durchzuführen. Wir zählen auf die Regierung, dass sie ihren Teil dazu beitragen wird, damit dies möglich wird – zugunsten der regionalen Gesundheitsversorgung und der Arbeitsplätze», präzisiert Alois Gunzenreiner.

Auch von Leistungsaufträgen des Kantons abhängig

Oberstes Ziel des Gemeinderates ist seit Beginn der Schliessungsdiskussionen Mitte 2018, die Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Drei Jahre lang brachte der Gemeinderat neue Vorschläge und mögliche Partner ein. Dabei trug er mit Lösungen, die andernorts schon erfolgreich waren, den unausweichlichen Veränderungen im Gesundheitswesen Rechnung. Auch nach der Abstimmung hielt der Gemeinderat gegenüber dem Kanton fest, dass die ambulant-medizinische Versorgung im Toggenburg bei der Umsetzung des Nachfolgekonzeptes verbessert werden muss. Fachkreise bestätigten die drohende Unterversorgung. Die erfolgreiche Berit Klinik Gruppe erklärte sich bereit, sich als Partnerin einzubringen, um das medizinische Angebot zu verbessern. Mit dem Ausstieg eines bisherigen Akteurs ist für den Gemeinderat das Nachfolgekonzept nicht hinfällig. Es ist jetzt mit den neuen und verbleibenden Partnern im Sinne einer integrierten Versorgung weiterzuentwickeln. Für den Gemeinderat ist klar: Ein Notfallzentrum, die Alkoholkurzzeittherapie/PSA und ein bedarfsgerechtes Spezialpflegeangebot

gehören weiterhin dazu. Das Gelingen hängt allerdings neben der Leistungsfähigkeit der involvierten Partner auch von der Erteilung der Leistungsaufträge durch den Kanton ab. Der Gemeinderat hat die Voraussetzungen für die Weiterentwicklung des Nachfolgekonzepts geschaffen. Die Verhandlungen über die Notfallversorgung, den Erhalt der PSA, den Aufbau eines bedarfsgerechten Spezialpflegeangebotes sowie die Übertragung der Liegenschaft sind unter Hochdruck angelaufen.

Klares Leistungsversprechen

«Wir kümmern uns um alles, was zwischen Ihrer Erkrankung oder Ihrem Unfall und der Rückkehr in einen schmerzfreien Alltag liegt», lauten die Verpflichtung und das Ziel der Berit Klinik Guppe. Hohe Ansprüche will sie auch in Wattwil erfüllen, um einen Beitrag an die medizinische Versorgung im Rahmen des Nachfolgekonzepts für die Spitalliegenschaft sicherzustellen. Sie strebt ein ambulantes Zentrum mit Tagesklinik und Operationsbetrieb sowie den Betrieb eines Notfallzentrums und der Alkoholkurzzeittherapie PSA an. Die Führung eines Notfallzentrums und der PSA sind vernetzt und bedingen je einen Leistungsauftrag des Kantons St.Gallen, welche die Berit Klinik beantragen wird. Ziel ist es, die Angebote ohne Unterbruch zu gewährleisten. Erste Gespräche haben gezeigt, dass das Personal der PSA aktuell eine Weiterführung des Angebots in Wattwil unter der Leitung von Berit favorisiert. Sobald die Berit obengenannte Leistungsaufträge erhält, bietet sie dem Personal der PSA eine Anschlusslösung am Standort Wattwil an – zum selben Lohn. Als dringend gilt nun die zeitnahe Übertragung der Spitalimmobilie an die Gemeinde Wattwil, da für alle möglichen Leistungserbringer eine konkrete Planung davon abhängt.

Gemeinde Wattwil/Toggenburg24