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Gesundheit
11.10.2021

Das Ende des Nasenbohrens?

Kommt mit der Zahlpflicht das Ende des grossen Nasenbohrens Bild: shutterstock.com
Ab heute kostet ein Coronatest Geld. Richtiges, eigenes Geld, direkt vom eigenen Konto. Nicht nur das Geld des Steuerzahlers. Ist dies das Ende der Warteschlangen vor den Apotheken?

47 Franken ersetzte das BAG den Apotheken für jeden durchgeführten Antigen-Test. Diese Wohltat für die nicht impfwillige Bevölkerung hat seit heute ein Ende. Denn nicht mehr der Steuerzahler zahlt künftig die Kosten für die Grundlage von Test-Zertifikaten, sondern jeder einzelne muss nun selbst in die Tasche greifen.

Alle paar Tage selbst löhnen

Wer also künftig in die Beiz gehen will, oder wer eine Veranstaltung besucht, für die die 3G-Zertifikatspflicht gilt, und wer weder genesen noch geimpft ist, wird alle paar Tage selbst löhnen müssen, um sich ein Testzertifikat ausstellen lassen zu können.

Vermutlich ist das das Ende der Warteschlangen vor den Apotheken. Und das Ende von Pop-up-Teststationen. Testzelte, die noch im Sommer das Zentrum des Test-Frohsinns gewesen sind. Da durften oft nur notdürftig geschulte Menschen ihren Mitbürgern mit einem Stäbchen in der Nase herumbohren. Um einen Abstrich in Mund und Nase zu erlangen. Und verschafften so den von der Prozedur Geplagten das Gefühl einer kurzfristigen Befreiung von Ängsten. Der Angst, womöglich erkrankt zu sein. Der Angst, am Abend nicht mit den Kollegen mangels Zertifikat in den Ausgang zu dürfen. Der Angst, ein Mensch zweiter Klasse zu sein.

Nicht nur das Testen selbst kostet, sondern auch die Auswertung im Labor Bild: zdf.de

Neue Bewegungsfreiheit

Dieser Testzauber machte wohl so einige Apotheker reich. Beschenkte die Menschen nach langen Shutdowns und Coronabeschränkungen einige Monate neuer Bewegungsfreiheit. Erlaubte den zeitweise für nicht Getestete verbotenen Grenzübertritt ins benachbarte Ausland. Erlaubte nach jedem erfolgreich absolvierten Nasenbohrererlebnis wenigstens ein kurze Pause des Durchatmens.

Vor dem Impffortschritt, der den Besuch der Teststationen für immer mehr Menschen überflüssig machte, war das Stäbchen in der Nase und im Rachen das provisorische Symbol der Hoffnung, dass es mit der Diktatur des Covid-19-Virus dann auch einmal wieder vorbei sein könnte.

Erstaunlich und vergnüglich

Rückblickend erscheint es erstaunlich und vergnüglich, wie viele Menschen in den vergangenen Monaten in ihrem Kurzzeitjob als Nasenbohrer sogar Gefallen fanden. Es gab viele Besucher der Teststationen, die über die Umständlichkeit der Prozedur und das mehr als unangenehme Gefühl in Nasen und Rachen seufzten. Es gab auch viele Besucher der Teststationen, die sich über den Zwang zu regelmässiger Testwiederholung beschwerten, da ihnen auch ein negatives Testergebnis nur kurze Zeit den Zugang zum Restaurant, zum Kino oder Theater garantierten. Aber unterm Strich waren die Testorte von einem erfreulichen Aufbruchs- und Gemeinschaftsgeists beseelt.

Ja, der bis vor kurzer Zeit noch österreichischer Bundeskanzler gewesene Sebastian Kurz hatte es schon im Juli prophezeit: Sobald es jedermann oder jederfrau möglich gewesen sein wird, ein Impfangebot zu nutzen und nur noch jene ungeimpft sind, die diesem Schritt misstrauen, wird die Coronaerkrankung schlicht zur Privatsache werden.

Die Coronaimpfung von Johnson&Johnson ist eine sogenannte «Vektorimpfung» auf Basis von abgetöteten Viren, mit der nur einmal geimpft werden muss, die aber etwas weniger Sicherheit bietet, als die mRNA-Impfungen von Moderna und Pfizer/Biontech Bild: wienerzeitung.at

Seit Jahrzehnten gebräuchliche Vektorimpfung

Jeder muss jetzt für sich selbst entscheiden, wie er mit der Situation umgehen will. Ob er weiterhin in kurzen Abständen Geld für Testzertifikate ausgeben will, um die ausschliesslich zum Schutz der Ungeimpften eingeführten 3G-Regeln einhalten zu können, oder ob er sich nicht doch für eine Impfung entscheidet.

Zumal es für jene, die der noch jungen mRNA-Impftechnik misstrauen, jetzt ja auch in der Schweiz mit dem Johnson&Johnson-Vakzin die Möglichkeit für die Immunisierung mit einer seit der Erfindung der Pockenimpfung gebräuchlichen Vektorimpfung gibt. Das vielgebrauchte Argument «Ich bin ja keine Laborratte», kommt angesichts der zig Jahre Erfahrung mit Vektorimpfungen wohl nicht mehr zum Tragen.

Schauen wir mal, wie es weitergeht.

Gerhard M.Huber

Chefredaktor rheintal24.ch

rheintal24/gmh/uh/Toggenburg24