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Wirtschaft
09.10.2021

Börsen: Teuerungsängste, knappe Energie und Rohstoffe

Christopher Chandiramani: «Erste ‹Herbststürme› an den Aktienbörsen sind schon da.» Bild: Linth24
Die Woche begann mit deutlichen Verlusten. Energie- und Rohstoff-Preise sowie Inflations-/Zinsängste belasten. Eine Lösung zur US-Schuldenobergrenze und Arbeitsmarktdaten sorgten für Zwischenerholung.

Der Arbeitsmarkt in der Schweiz erholt sich weiter von der Corona-Pandemie. Die Arbeitslosigkeit sank im September auf 2.6 Prozent (Vormonat 2.7). Jüngere Leute haben wieder bessere Chancen, bei über 50-jährigen bleibt die Jobsuche schwierig. Die effektive Arbeitslosenquote ist etwa doppelt so hoch, weil Ausgesteuerte und Kurzarbeiter in der Statistik nicht erfasst sind.

In Zürich trafen sich die Spitzendiplomaten aus den USA und Russland zu Gesprächen über den Handelskonflikt. Positive Ergebnisse sind noch keine bekannt, würden aber die Weltmärkte beleben.

Während der Corona-Pandemie sind die globalen Vermögen gestiegen. Abzüglich Schulden erhöhte sich das globale Geldvermögen der Privathaushalte um 11 Prozent auf netto 153.5 Bio. Euro. Dies geht aus der zum zwölften Mal vorgelegten Vermögensstudie («Global Wealth Report») hervor. Bareinlagen, Wertpapiere sowie Versicherungsansprüche sind berücksichtigt, jedoch nicht die Immobilien. Staatshilfen und tiefe Zinsen haben vor allem die Aktien in die Höhe getrieben.

Nach dem Wahlausgang ohne sichtbare Mehrheiten in Deutschland ist die Bildung einer Regierung aus gemischten Parteien immer noch schwierig. Eine Koalitionsverhandlung steht noch nicht.

Österreich: Der Druck auf den jungen Bundeskanzler Sebastian Kurz nimmt zu. Nach einer Polizeirazzia gegen die Parteizentrale der ÖVP wegen finanziellen Unregelmässigkeiten ist die Stabilität der Regierung in Frage gestellt. Insbesondere ist der zukünftige Bestand der Koalition mit den Grünen unsicher.

Unternehmensmeldungen

Der Bahnbauer Stadler Rail konnte sich einen Grossauftrag aus der Schweiz sichern. SBB, Thurbo, und andere Privatbahnen haben inklusive Optionen insgesamt 510 Züge im Gesamtwert von rund 2 Mrd. CHF bestellt. Das bedeutet ein Auftragsvolumen für mehrere Jahre. Der Aktienkurs stieg am Tage der Bekanntgabe um rund 7 Prozent.

Der Fall des Pleitefonds Greensill zieht für die Credit Suisse Strafklagen nach sich: Wie bekannt wurde, fand eine Razzia bei der Grossbank statt, und dabei wurden Dokumente mitgenommen. Auftraggeber und Anzeige-Erstatter war das Staatsekretariat Wirtschaft Seco.

Kioskbetreiber Valora arbeitet in Zukunft mit dem Paketdienstleister UPS zusammen, innovative Lösungen für die Paketaufgabe und -abholung an Kiosken sind vorgesehen. Dabei können Kunden die Pakete vor der Abgabe elektronisch erfassen und bezahlen. 

Der Baumaterialhersteller Sika führte einen Investorentag durch und stellte neue Lösungen vor, um den CO₂-Gehalt von Beton zu reduzieren und Abbruchbeton wiederzuverwerten.

Swisscom hat vor Bundesverwaltungsgericht verloren und muss Glasfaser für andere Betreiber kompatibel machen.

Der Raumklimahersteller Zehnder Group übernimmt Mehrheit am französischen Lüftungshersteller Caladair. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Aussichten

Erste «Herbststürme» an den Aktienbörsen sind schon da. Der SMI ist seit seinem Höchst um knapp sieben Prozent gefallen.

Eine Zeitbombe bleibt die globale Verschuldung. Die USA konnten zwar mit der Erhöhung der Schuldenobergrenze Zeit gewinnen. Das Problem ist jedoch nur aufgeschoben. Staats- und Handelsbilanzdefizit bleiben chronisch.

Die Immobilienkrise in China ist noch nicht ausgestanden, immerhin hat die chinesische Regierung Unterstützung zugesagt.

Auch die Energie- und Rohstoffknappheit dürfte die Margen der Unternehmungen unter Druck setzen. Die Erholung nach der Pandemie wird aber den Unternehmungen zugutekommen. Die Neunmonatszahlen werden demnächst publiziert.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24