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Gesundheit
22.09.2021
22.09.2021 09:54 Uhr

Das Selbstmitleid der Ungeimpften

Man muss die Folgen der eigenen Entscheidung tragen, und darf Andersdenkende deshalb nicht mit Hass und Gewalt überziehen
Man muss die Folgen der eigenen Entscheidung tragen, und darf Andersdenkende deshalb nicht mit Hass und Gewalt überziehen Bild: ratgeber-lifestyle.de
Demos in der ganzen Schweiz. Ein Angriff aufs Bundeshaus in Bern. Anschläge auf Impfstationen. Ja, geht´s denn noch, ihr radikalen freiwillig Ungeimpften? Ein Kommentar von rheintal24-Redaktor Gerhard M. Huber.

Ganz ehrlich, wir haben doch alle die Nase voll von Corona samt allen zweckmässigen oder sinnlosen Einschränkungen, die uns von der Politik in dieser Pandemiezeit aufoktroyiert wurden. Und die in der Schweiz weit weniger heftig ausgefallen sind, als die oft sehr rigiden Massnahmen mit Ausgangsverboten in unseren Nachbarländern. Dennoch sind wir glimpflicher als andere Staaten durch die bisherigen Pandemiewellen gekommen. Ganz so falsch können die «Beschränkungen der persönlichen Freiheit» also nicht gewesen sein.

In-Sich-Zusammenbrechen der Pandemie

Und jetzt? Seit Wochen wäre es theoretisch möglich, dass alle in der Schweiz lebenden Menschen über zwölf Jahre geimpft wären. Was nach der Ansicht aller seriösen Virologen und Epidemiologen weltweit ein In-Sich-Zusammenbrechen der Coronapandemie in der Schweiz zur Folge hätte. Siehe Dänemark, das nach der vollständigen Impfung von 87,4 Prozent der Erwachsenen und 83,2 Prozent der über Zwölfjährigen sämtliche der in den letzten 584 Tagen gegoltenen Restriktionsmassnahmen aufgehoben hat. Normales Leben pur.

Die Schweiz ist mit einer Impfquote von aktuell 53.7 Prozent noch weit von einer Herdenimmunität entfernt. Trotz vieler Aufklärungsarbeit und Gratisimpfangebot sind noch viele Mitmenschen impfskeptisch. Und ein radikaler Anteil unter diesen Ungeimpften ist sogar missionarisch und sektiererisch unterwegs, um zum Teil sogar mit Gewalt gegen das böse Dogma der Impfung anzugehen.

Verschwindend kleine Gruppe der Hospitalisierten

Dabei liegen die Dinge nüchtern und mit Vernunft und Logik betrachtet doch so: Geimpfte im Erwachsenenalter infizieren sich (und in Folge auch ihre Mitmenschen) nur sehr selten. Unter denen, die derzeit nach einer Covid-Infektion im Krankenhaus behandelt werden müssen, sind die Geimpften eine verschwindend kleine Gruppe, nämlich rund vier Prozent im Vergleich zu den Ungeimpften.

Trotz dieser im BAG-Zahlenwerk, beim deutschen Robert-Koch-Institut, der US-Johns-Hopkins-Universität oder einigen statistischen Zentralämtern der mitteleuropäischen Staaten nachprüfbaren Zahlen gibt es gerade in der Schweiz eine gar nicht kleine Gruppe, die sich impfen lassen könnte, aber aus verschiedenen, und bei manchen durchaus achtenswerten Gründen, sich nicht impfen lassen will. Also freiwillig Ungeimpfte. Die zweifelsohne durch Coronamassnahmen derzeit stärker in ihren Rechten beschnitten werden, als freiwillig Geimpfte.

Endlose Diskussionen zwischen den Lagern

Und jetzt kommen wieder die endlosen Diskussionen zwischen den beiden Lagern ins Spiel. Rechte und Pflichten für Geimpfte, Genesene und Getestete, 2G, 3G oder gar 5G (aber nur wenns ums Natelnetz geht). Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Wiederholung um Wiederholung um Wiederholung der Argumente. «Man nimmt uns Ungeimpften die Freiheit!» und «Indirekter Impfzwang!» Ein zähes Rückzugsgefecht all jener, die nicht wahrhaben wollen, dass sie langsam aber sicher in eine Minderheitenposition geraten.

Und jetzt die 3G-Zertifikatspflicht. Der vorhersehbare Aufreger für alle freiwillig Nichtgeimpften. Dazu kommt der Unmut darüber, dass vermutlich in absehbarer Zeit die Schnelltests und Testzertifikate selbst bezahlt werden müssen. Obwohl diese Testzertifikate ja künftig für die Nichtimmunisierten für die Teilnahme am öffentlichen Leben als Zutrittsberechtigungen in allen Bereichen zwingend sein werden.

Keine kostenpflichtige Auflagen

Diese Kosten seien ungerecht, jammern die Impfgegner, denn der Staat mache ja den Zigarettenrauchern oder Extremsportlern auch keine kostenpflichten Auflagen. Doch dieser Vergleich hinkt. Denn auch die Raucher wie die Extremsportler werden auf Kosten der Krankenversicherung behandelt, wenn sie Krebs bekommen, oder mit Verletzungen eingeliefert werden. Genauso, wie die aufgrund ihrer Nichtimpfung an Corona erkrankten Patienten, die jetzt wieder die Spitalsbetten belegen.

Die Debatten drehen sich im Kreis. Ein für alle Mal meine Antwort an alle Ungeimpften: Selber schuld! Was auch für die nächsten Monate gilt. Ihr radikalen Ungeimpften, die ihr gegen den Strom schwimmt, nehmt doch bitte zur Kenntnis, dass ihr gegen den Strom schwimmt. Aber ohne zu Jammern. Denn es war und ist eure ureigene und freie Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen.

Geheimnisvolle Chips in der Impfampulle

Viele von euch wollen mit den durch geheimnisvolle Chips in der Impfampulle von Bill Gates ferngesteuerten, von impfbedingten Herzinfarkten und Fusspilzen bedrohten freiwillig Geimpften doch gar nicht mehr im selben Restaurant oder im selben Kino sitzen. Was seit 3G übrigens wieder völlig normal ohne Maske und Zuschauerbegrenzung möglich ist.

Ihr radikalen Ungeimpften habt euch doch eure eigene Geistes- und Glaubenswelt zusammengezimmert. Eine Welt aus mystischen Theorien, hinterlegt mit «Beweisen» angeblicher Fachleute und verbreitet von Follower- und klickgeilen, aber nichtsdestoweniger unseriösen oder stramm rechtsnationalen Internetpredigern. Macht doch eure eigenen Restaurants («Gasthaus zur goldenen Ansteckung») oder Tanzschuppen auf. Krankenbett inklusive. Aber hört auf zu Jammern.

Ungeimpft und stolz darauf

Wie der deutsche Journalist Nikolaus Blome in seiner Spiegel-Kolumne, der mir aus dem Herzen gesprochen hat und an dessen Veröffentlichung ich mich bei diesem Kommentar angelehnt habe, zu diesem Thema geschrieben hat:

«Jeder kann ungeimpft sein und stolz darauf. Aber wer sich mit einigem Türenschlagen aus einer Welt verabschiedet, sollte nicht beanspruchen, in ebendieser Welt, die er gerade verlassen hat, weiterhin das grosse Wort zu schwingen. Das ist ein performativer Widerspruch, und es überrascht mich, wie viele Liberale und Konservative das nicht sehen mögen. Ja, die Mündigkeit des Einzelnen ist ein Dreh- und Angelpunkt freiheitlichen Denkens. Und ja, die Freiheit, sich in den eigenen Fuss zu schiessen, gehört dazu. Aber, mimimi, man muss dann auch den Schmerz ertragen können.»

Und nicht ständig darüber jammern, dass man künftig als Hinkebein durchs Leben geht.

Gerhard M. Huber, Chefredaktor rheintal24.ch

 

rheintal24.ch gibt allen Meinungen Platz. Und hat und wird auch künftig immer wieder Kommentare sowohl von Impf- und Coronamassnahmenskeptikern als auch von Befürwortern im Rahmen einer freien und fairen Berichterstattung veröffentlicht.

Jeder soll sich selbst ein Bild machen. Jeder soll die Argumente selbst abwägen. Nur in einer freien, offenen, aber unbedingt friedlichen Diskussion ohne Gewalt- und Hassbereitschaft, kann jeder die für sich richtigen Lösungen finden.

rheintal24/Gerhard M. Huber, Chefredaktor rheintal24