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Kolumne
10.09.2021

Konjunktursorgen

Christopher Chandiramani: «Die Aktienbörsen kommen regelmässig unter Druck wenn es kühler wird und die Tage sich verkürzen.» Bild: zVg.
Die in der Vorwoche begonnene Marktkorrektur hat sich fortgesetzt. Eine global nachlassende Wirtschaftsdynamik, Inflationsängste und die hartnäckige Pandemie haben auf die Stimmung gedrückt.

Die Inflation ist in der Realwirtschaft angekommen, Ursache wie erwartet die expansive Geldpolitik. Rohstoffe, Halb- und Fertigfabrikate, Immobilien und staatliche Dienstleistungen werden teurer. Die Notenbanken beruhigen, Zinsen sollen weiterhin tief bleiben, höchstens Käufe von Anleihen etwas eingeschränkt werden.

Vor allem die US-Wirtschaft kühlt sich bereits wieder ab. Ohne Landwirtschaft sind im August nur 235‘000 neue Stellen geschaffen worden. Marktbeobachter hatten etwa dreimal so viel erwartet. Auch in Grossbritannien verflacht sich die wirtschaftliche Erholung. Im Gegensatz dazu – in der Schweiz sank Arbeitslosenquote von 2.8 im Juli auf 2.7 Prozent im August 2021. Im Jahresvergleich verringerte sich die Arbeitslosigkeit um 24’756 Personen, das sind  minus16.4%.

Die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT AB, ein Fonds der Wallenberg-Familie, hat einige bedeutende Anteile verkauft. Dieser Pessimismus sorgt für Nervosität unter skandinavischen Börsianern.

Ungemach droht aus Fernost, ein Immobilienschock. Der Grosskonzern Evergrande ist finanziell angeschlagen, offenbar so stark, dass der chinesische Staat helfen muss.

El Salvador hat landesweit den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel eingeführt.

Unternehmensmeldungen – Ereignisse und Kursveränderungen

Seit dem Allzeithöchst verlor der Schweizer Aktienmarkt rund drei Prozent. Der Bluechip-Index SMI hatte diese Woche ebenfalls Mühe, sein Niveau von 12‘100 zu verteidigen. Grössere Bewegungen gab es bei Huber+Suhner, Vetropack und SoftwareOne, wo Gross- bzw. Gründungsaktionäre paketweise ausgestiegen sind und ihre Aktien am Markt platzierten, was zusätzlichen Druck auslöste. Pharmagigant Roche war schwach infolge einer Grossakquisition (Biotechpartner TIB).

Der Zementhersteller Holcim kam ebenfalls unter Druck nach einem Verdacht auf unerlaubte Geschäfte mit Irak und einer möglichen Millionenbusse durch die USA. Später folgte eine Meldung, wonach Holcim das Brasiliengeschäft mit 34 Fabriken für 1.025 Mrd. USD an die CSN Companhia Siderúrgica Nacional verkauft hatte. Der Erlös soll in neue lukrative Projekte gesteckt werden.

Im Jahre 2020 wurde aus Tamedia die TX Group, nun droht Namensverlust. Diese Firmenbezeichnung hatte sich kurz zuvor ein Rapperswil-Joner KMU zugelegt. Die Klage liegt nun beim Bundesverwaltungsgericht.

Der Winterthurer Maschinenbauer Sulzer wird Medmix an die Börse bringen durch Kotierung ab 30. September durch Aktiensplitt. Jeder Aktionär erhält je Sulzer-Aktie zusätzlich eine Medmix-Aktie.

Swisscom, Sunrise UPC und Salt hatten bis jetzt bestehende Antennen aufgerüstet, ohne die Einsprachen von Anwohnern genügend zu berücksichtigen. Ein Rechtsgutachten verlangt nun detaillierteren Baugesuche mit verbesserten Rechtsmitteln. Umrüstungen gelten nun als Neubauten.

Die Luxusuhren-Hersteller Chronext plant einen Börsengang an der Schweizer Börse SIX. Es sollen neue Aktien im Volumen von 250 Mio. CHF platziert werden. Zudem verkaufen die Gründungsaktionäre, einen Teil ihrer Aktien. Detaillierte Angaben folgen noch.

Der Börsengang der Sportschuhherstellers On in New York gehört zu den grösseren in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Allerdings werden Schweizer Kleinanleger benachteiligt bei der Zuteilung von On-Aktien. Amerikanern werden bevorzugt.

Aussichten – Herbststimmung

Die Aktienbörsen kommen regelmässig unter Druck wenn es kühler wird und die Tage sich verkürzen. Negative Nachrichten werden eher wahrgenommen als positive – auch in diesem Jahr. Halbjahreszahlen bringen keine neuen Impulse mehr. Die Teuerungs- und Zinsängste halten an. Die Corona-Situation bleibt unklar. Länder wie Dänemark, Holland, Schweden und Grossbritannien haben das Ende der Pandemie erklärt. Aber in der Schweiz macht man das Gegenteil, die Anwendung des Covid-Zertifikats wird ausgedehnt. Italien hat noch strengere Bestimmungen, die USA führen sogar die Impfpflicht ein. Geld anlegen wird in der kommenden Zeit insgesamt noch anspruchsvoller.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Toggenburg24