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Kultur
06.09.2021

«Breaking the Waves»: Europa-Premiere in St.Gallen

Bild: z.V.g
Mit der Oper «Breaking the Waves» startet der neue Operndirektor Jan Henric Bogen in seine erste Saison am Theater St.Gallen. Das Werk der Komponistin Missy Mazzoli und des Librettisten Royce Vavrek erlebt am 18. September im «Umbau» seine europäische Premiere.

Mit seinem preisgekrönten Film «Breaking the Waves» sorgte Lars von Trier 1996 für Furore. Darin erzählt er die Geschichte einer tiefreligiösen, traumatisierten, jungen Frau in einer unmöglichen Situation: Aus Liebe zu ihrem querschnittsgelähmten Mann Jan kommt Bess dessen ungeheuerlicher Forderung nach und schläft mit anderen Männern – im Glauben, ihren Mann damit zu retten. 20 Jahre nach dem Film wurde in Philadelphia die Opernversion des Stoffes erstmals aufgeführt.

Eigene Erfahrungen im Hinterkopf

«Mit einer hoch emotionalen Tonsprache und sinnlichen Klängen zeichnet die US-amerikanische Komponistin und Grammy-Gewinnerin Missy Mazzoli darin das facettenreiche Porträt einer Antiheldin, die aus Selbstlosigkeit zum Opfer einer isolierten, dysfunktionalen Gesellschaft wird», heisst es in der Medienmitteilung.

Während der Kompositionsarbeit habe sie stets die Erfahrungen im Hinterkopf gehabt, die sie als Frau mit Be- und Verurteilungen gemacht habe, sagt Missy Mazzoli. Deshalb gehe es auch musikalisch um eine Frau, die ständig mit allen Meinungen der Gesellschaft konfrontiert wird: «In der Musik gibt es diesen Kontrast von Solostimme und anderen hereinbrechenden Elementen. Bess wird ständig vom Chor unterbrochen, ihre Mutter kommt hinzu, singt in einer tieferen Lage – ein Einschnitt in Bess' unbeschwerte Verträumtheit.»

Der St.Galler Operndirektor Jan Henric Bogen Bild: Keystone

Debüt in Europa

Mit «Breaking the Waves» gibt die britische Regisseurin und Choreografin Melly Still, die für ihre Arbeiten mehrfach für einen «Tony» sowie «Olivier Award» nominiert war, ihr Debüt auf dem europäischen Festland. Mit minimalistischen Mitteln erzeuge Melly Still einen emotionalen Sog, heisst es weiter.

Chefdirigent Modestas Pitrenas leitet das Sinfonieorchester St.Gallen. Für die Ausstattung zeichnet Ana Inés Jabares-Pita. Mit Vuvu Mpofu (als Bess McNeill), Justin Hopkins, Christopher Sokolowski und Kristján Jóhanneson sind vier neue Mitglieder des Musiktheaterensembles erstmals vor dem Publikum. In weiteren Rollen sind Robin Adams, Jennifer Panara, Claude Eichenberger, David Maze und Cristian Joita zu erleben.

Geschichten über starke Frauen

Die erste St.Galler Saison des neuen Operndirektors Jan Henric Bogen steht unter dem Motto Herstory. Das Wortspiel aus dem Begriff history bedeutet «ihre Geschichte», und darum geht es: Um Geschichten über starke Frauen, die auch von ihnen erzählt, interpretiert, inszeniert und dirigiert werden. Schon mit den ersten Produktionen will Jan Henric Bogen das Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern in den Kategorien musikalische Leitung und Regie ausgleichen.

Nach «Breaking the Waves» realisieren im Oktober die Dirigentin Katharina Müllner und die neue Spielleiterin Musiktheater Guta Rau Mozarts «Zauberlöte», im März inszeniert Nina Russi Verdis «La traviata». Bei Ástor Piazzollas «María de Buenos Aires» zum Saisonabschluss hat die junge argentinische Dirigentin Natalia Salinas die musikalische Leitung.

Vorstellungen

  • Samstag, 18. September, 19 Uhr (Premiere)
  • Sonntag, 26. September, 19 Uhr
  • Mittwoch, 29. September, 19.30 Uhr
  • Sonntag, 24. Oktober, 17 Uhr
  • Freitag, 5. November, 19.30 Uhr

Ort
«Umbau» neben der Tonhalle

Weitere Infos: www.theatersg.ch

pez/pd/stgallen24/Toggenburg24