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Kolumne
04.09.2021

Aktienmärkte: Zunächst richtungslos, später schwächer

Christopher Chandiramani: «Lockerungen ab dem Frühsommer haben wieder für Zuwachs gesorgt.»
Die Hauptthemen waren unverändert: Afghanistan und Corona, Wirtschaft und Zinsängste. Bis Donnerstag fehlten neue Impulse. Am Freitag sorgten US-Arbeitsmarktzahlen für Enttäuschung.

Weitere Erholung: Die Schweizer Wirtschaft ist im 2. Quartal 2021 gewachsen. Nach schwächeren drei Monaten wegen Corona (-0.4 Prozent) haben Lockerungen ab dem Frühsommer wieder für Zuwachs gesorgt. Das Bruttoinlandprodukt stieg in der Periode von April bis Juni 2021 gegenüber dem ersten Quartal um 1.8 Prozent, wie das Staatssekretariat Seco bekanntgab. Auch die Teuerung zog im August an, gemäss Bundesamt für Statistik von 0.7 im Vormonat auf 0.9 Prozent.

Nachwirkungen der Pandemie

Am Freitag waren jedoch in den USA die Arbeitsmarktzahlen schwächer als sonst. Ausserhalb der Landwirtschaft wurden im August lediglich 235 Tausend neue Stellen geschaffen, erwartet waren 733 Tausend. Erklärt wird dies durch die Nachwirkungen der Pandemie. Dies nimmt zwar den Zinserhöhungs-Druck der Notenbank weg. Aber es kam in der Folge zu Gewinnmitnahmen, nicht nur an der Wall Street.

Corona bleibt auch bei uns ein Thema. Die Fallzahlen stiegen weiter an, zum Teil aufgrund der Ferien-Rückkehrer. Der Bundesrat hat aber vorläufig auf die Ausdehnung der Covid-Zertifikatspflicht für Veranstaltungen, Museen, Kinos und Restaurants verzichtet.

Nationalbank-Vizepräsident Fritz Zurbrügg warnt eindringlich vor Risiken an den Immobilienmärkten. Zinserhöhungen und weniger Zuwanderung könnten längerfristig die Hypothekarschuldner belasten.

Erdöl war teurer aufgrund von Schäden an der Ölförderung im Golf von Mexiko durch Hurrikane.

Unternehmensmeldungen – Spezialsituationen

Internet-Plattformen werden zusammengelegt und erweitert. TX Group (Tamedia), Ringier und Mobiliar spannen zusammen. Die Plattformen Homegate, Ricardo, Tutti und Scout24 fusionieren. Für später ist ein Börsengang möglich. Die Aktien der TX-Group stiegen um rund 50 Prozent innert zwei Tagen.

Es ist schon länger bekannt, dass die Zusammensetzung des Leitindexes SMI ändert. Swatch wird ersetzt durch Logitech. Seit Juni 2021 haben dadurch Swatch-Aktien fast 20 Prozent an Wert eingebüsst.

Lindt & Sprüngli ist weiterhin die teuerste bzw. schwerste Aktie am Schweizer Markt. In diesem Jahr haben die Papiere des Schokoladeherstellers um fast 25 Prozent auf CHF 110‘000 zugelegt.

Emmi übernimmt mit Athenos (USA), die Nummer eins auf dem amerikanischenFetakäse-Markt. Der Jahresumsatz beträgt hier rund USD 90 Mio.

Der Betriebsgewinn (EBITDA) von DormaKaba verbesserte sich um 8.6 Prozent auf 353 Mio. CHF. Der Reingewinn stieg um 17.8 Prozent auf 193 Mio. CHF. Die Dividende wird um CHF 2 auf 12.50 erhöht.

Der Laborausrüster Tecan hat 650'000 neue Aktien platziert und damit 357.5 Mio. CHF verdient. Der Ausgabepreis wurde auf 550 CHF pro Titel festgelegt. Der Erlös dient zur Übernahme der US-Firma Paramit.

Aussichten – Wahlen und Abstimmungen

Am 26. September 2021 stimmen wir über die sogenannte 99-Prozent-Initiative ab. Dieser Vorstoss der Jusos würde Kapitaleinkommen (Dividenden-, Zins- und Mieteinnahmen usw.) zu 150 Prozent besteuern, somit auch den Aktienhandel behindern. Es wird mit einer Ablehnung durch das Stimmvolk gerechnet.

Ebenfalls am gleichen Sonntag wählen unsere deutschen Nachbarn das Parlament und eine neue Kanzlerin. Nach 16 Jahren stellt sich Angela Merkel nicht mehr zur Verfügung. Das Resultat der politischen Richtung Deutschlands, des wirtschaftlich stärksten Landes unseres Kontinents, ist sehr wichtig. Europa ist die Nr. 4 aller Region der Welt.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24Toggenburg