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02.09.2021

Der Klosterplatz war ihr Spielparadies

Alt-Stadträtin Liana Ruckstuhl wuchs in der Marktgasse 10 auf.
Alt-Stadträtin Liana Ruckstuhl wuchs in der Marktgasse 10 auf. Bild: Screenshot Youtube
Die ehemalige St.Galler Stadträtin Liana Ruckstuhl hat das Buch «Multergasse 10» veröffentlicht. Darin erzählt sie unterhaltsam Geschichten aus ihrem Leben in der St.Galler Altstadt in den 1950er-Jahren.

«Selbstverständlich war die Multergasse in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts noch nicht autobefreit wie heute. Genauer, autofrei war sie eigentlich schon, aber nicht, weil die Stadtbehörde sie verkehrsberuhigt hätte, sondern ganz einfach darum, weil es keinen Autoverkehr gab. Nur ganz vereinzelt wohnten oder arbeiteten Personen in der Gasse, die Besitzer eines Autos waren. Jedes Kind kannte die Nummern der Kontrollschilder auswendig und konnte sie dem jeweiligen Halter zuordnen. Noch heute könnte ich sie alle aufzählen», schreibt Liana Ruckstuhl in ihrem Buch «Multergasse 10».

Liebeserklärung an die Gallusstadt

Das Buch sei eine Liebeserklärung an die Stadt St.Gallen, insbesondere an eben diese mitten in der Altstadt liegende Gasse. Hier ist die Autorin Liana Ruckstuhl aufgewachsen, die Stadt ist bis heute ihre Heimat. Und sie ist ihr Wirkungsort. St.Gallen hat sie geprägt, ebenso wie sie mit ihrem beruflichen, politischen und gesellschaftlichen Engagement die Stadt mitgestaltet hat.

In ihrem neuesten Buch blickt Liana Ruckstuhl auf ihre Kinderjahre zurück. Redaktor Roger Fuchs vom Verlagshaus Schwellbrunn hat die 77-Jährige zum Interview getroffen:

Als «Nonnenfürzli» verkauft wurden

Die Multergasse war schon früher eine belebte Einkaufsgasse. Und sie ist es immer noch. Im Gegensatz zu heute wohnten in den 1950er-Jahren viele Familien mit Kindern in der Gasse. Das Haus Multergasse 10 war das Zentrum der Kinderwelt der Autorin, der Klosterplatz das Spielparadies. In amüsanten Geschichten mit historisch interessanten Details erinnert sie sich an ihre Altstadtkindheit.

Sie erzählt von einer Zeit, als der Pöstler mit Ross und Wagen kam und der Milchmann die Milch offen aus der Tanse verkaufte. Und von den Jahren, als das Handwerk noch mitten in der Stadt seinen goldenen Boden hatte. Es gab den Schuhmacher, die Corsetière, den Hutmacher, den Posamenter.

Es war die Zeit, als die Erstgixe mit Schiefertafel und Griffel schreiben lernten, als der Laurenzenturm und das Stadthaus an der Gallusstrasse für die Kinder Abenteuerland war und im Kloster Notkersegg «Nonnenfürzli» verkauft wurden. 

Das Buch ist hier erhältlich

Über die Autorin

Liana Ruckstuhl, 1944, war nach ihrem Germanistikstudium Gymnasiallehrerin und gleichzeitig während vieler Jahre Theatermacherin, bevor sie «die Bühne wechselte» und Stadträtin der Stadt St.Gallen wurde. Seit ihrer Pensionierung – sie lebt in St.Gallen – ist sie als Texterin tätig. Von ihr erschienen neben den Typotron-Heften «LokRemise St.Gallen», «Albert Nufer», «Textilfirma Fischbacher St.Gallen» die Biografien von zwei St.Galler Persönlichkeiten.  

mik/pd/Toggenburg24