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31.08.2021

Die Wirtschaft nach Corona

Caroline Hilb Paraskevopoulos ist Leiterin Anlagestrategie und Analyse bei der SGKB
Caroline Hilb Paraskevopoulos ist Leiterin Anlagestrategie und Analyse bei der SGKB Bild: PD
Die Ansteckungen mit dem Coronavirus steigen wieder. Das schon oft ausgerufene Ende der Pandemie ist noch weit weg. Die Wahrscheinlichkeit, dass es noch einmal zu einem verbreiteten Lockdown wie im Frühjahr 2020 kommt, ist aber gering. Daher ist es schlüssig, wenn man ein erstes Fazit zieht, welche Auswirkungen Corona auf die Wirtschaft hat.

Der Start zur wirtschaftlichen Erholung ist geglückt, der Weg ist aber noch weit. Der Impffortschritt in den Industrieländern hat die Weltwirtschaft rasch belebt und wird 2021 vielen Volkswirtschaften ein hohes BIP-Wachstum bescheren. 2022 wird sich zeigen, ob der Schwung beibehalten werden kann, nachdem der Aufholeffekt vorbei ist.

Beschleunigter Strukturwandel

Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Rezession war so tiefgreifend, dass sie strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft zur Folge hat. Das bedeutet, dass die Ka­pa­zi­täts­re­ser­ven in der Wirtschaft nur langsam abgebaut werden und die Beschäftigung nach dem ersten Rebound langsamer ansteigen wird. Die Wirtschaft wird in den nächsten Jahren keinen Boom mit jährlichen Wachstumsraten über vier Prozent in den USA oder über drei Prozent in der Schweiz erleben. Vielmehr wird sich die Wirtschaft über mehrere Jahre kontinuierlich erholen.

Die Pandemie hat die Anfälligkeit der globalen Produktionsketten schonungslos offengelegt. Bei vielen Rohstoffen und Zwischenprodukten, allen voran Computerchips, haben die Unternehmen grosse Schwierigkeiten, diese zeitgerecht zu erhalten. Die Unternehmen werden ihre Abläufe überdenken und dabei die potenziellen Risiken stärker gewichten als früher. Eine vollständige Umkehr der globalen Produktion wird jedoch nicht eintreten, da der Konkurrenz- und Kostendruck nach dem Ende der Corona-Pandemie wieder zunehmen wird. Die Unternehmen werden ihre Produktionsketten aber regional diversifizierter gestalten.

Die Digitalisierung hat durch die Corona-Pandemie einen zusätzlichen Schub erhalten. Homeoffice und Homeschooling funktionieren. Die Kommunikation über Videokonferenz hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten durchgesetzt. Der Online-Handel hat ebenfalls neue Kundengruppen gefunden. Es wird wieder eine Gegenbewegung geben, da auch die Schwächen der digitalen Kommunikation, wie der fehlende informelle Informationsaustausch, offenbart wurden.

Die Veränderungen in der Arbeitswelt und in der persönlichen Mobilität werden aber teilweise bestehen bleiben. Gleichzeitig sind auch die Gefahren der Digitalisierung gestiegen. Die Anfälligkeit der immer komplexer werdenden Netzwerke wird vermehrt zu grossflächigen Störungen und Betriebsunterbrüchen führen. Zudem ist die Cyber-Kriminalität stärker in den Vordergrund gerückt.

Wachsende Schuldenberge

Die von den verschiedenen Staaten beschlossenen Fiskalpakete zur Abfederung der Corona-Belastungen haben die Schulden der Staaten markant in die Höhe getrieben. In der Schweiz erhöhte sich die Schuldenlast durch Covid um 30 Milliarden Franken. Im Vergleich zu anderen Ländern ist das wenig und kein Problem. Das Volumen der ausstehenden US-Treasuries hat seit dem Ausbruch der Corona- Pandemie um 4500 Milliarden US-Dollar oder 20 Prozent des US-BIP zugenommen. Die Schuldenquote ist in den USA auf 130 Prozent gestiegen. Den grössten Teil der zusätzlichen Schulden hat die Fed übernommen.

In der Eurozone hat die EZB mit ihrem QE-Programm ihre Rolle als Finanzierer der schwächeren Staaten ebenfalls verstärkt. Zudem erfolgt die Finanzierung der EU-Aufbauhilfen über die gemeinschaftlich garantierte Ausgabe von Eurobonds. Eine Wiederholung der Schuldenkrise von 2010 steht nicht vor der Tür. Heikel wird es dann, wenn die EZB ihre auslaufenden Bestände an Staatsanleihen der Euroländer nicht mehr erneuert. Das wird aber noch länger nicht passieren.

Caroline Hilb, St.Galler Kantonalbank/Toggenburg24