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23.08.2021
23.08.2021 19:05 Uhr

«Nur noch Geimpfte in die Hörsäle?»

Einlass in den Hörsaal nur noch für Geimpfte? Konrad Rüegg empfindet dies als Diskriminierung und Nötigung.
Einlass in den Hörsaal nur noch für Geimpfte? Konrad Rüegg empfindet dies als Diskriminierung und Nötigung. Bild: pixabay
Ein Dozent an der Uni Basel will nur noch Geimpfte im Hörsaal haben – ein Linth24-Leser verweist hierbei auf die Leitbilder der Unis und zeigt sich schockiert.

«In der NZZ vom 18. August wird berichtet, dass ein Neurowissenschaftler und Dozent an der Uni Basel nur noch Geimpfte im Hörsaal haben will. Zuvor schon dachte die Uni Bern öffentlich darüber nach, nur geimpften Medizinstudenten Zugang zur Uni zu gewähren.

Zutiefst schockiert

Dass solches in der heutigen Zeit möglich ist, schockiert mich zutiefst. In einem Land, das stolz darauf war, sich den Menschenrechten und einer auf liberale Freiheitsrechte gründenden Verfassung zu verpflichten, kann öffentlich ausgerechnet an Universitäten darüber nachgedacht werden, Menschen zu diskriminieren, die sich auf ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit berufen und aufgrund eigener kritischer Überlegungen zum Schluss kommen, sich nicht impfen lassen zu wollen.

Die Leitbilder der Unis

Die Uni Bern schreibt in ihrem Leitbild: «Die Universität Bern bekennt sich zur Gleichstellung von Frauen und Männern und unterbindet jegliche Diskriminierung.»

Die Uni Basel formuliert in ihrem Leitbild: «Wir ermutigen unsere Studierenden, Aussagen und Ergebnisse kritisch zu hinterfragen, um eine Grundlage für neue Erkenntnisse zu schaffen» und «Unsere Universität garantiert uneingeschränkt die Freiheit von Lehre und Forschung. Wir handeln verantwortungs- und ressourcenbewusst und sind der Nachhaltigkeit verpflichtet. Die Anerkennung und Pflege der Diversität sowie die Chancengleichheit sind als handlungsleitende Prinzipien verankert und integrale Bestandteile des Universitätslebens. Sowohl innerhalb der Universität als auch gegenüber unseren Partnerinnen und Partnern setzen wir auf eine Kultur des Dialogs, der Wertschätzung, des Respekts und der Toleranz.»

Ist der Dozent am richtigen Platz?

Ist Herr De Quervain als Dozent dort am richtigen Platz, wenn er seine erwachsenen Studenten – angeblich aus Sorge um ihre Gesundheit – zu einer Impfung nötigen will? Noch dazu zu einer Impfung, deren Nutzen für junge Menschen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sehr gering ist, da sie ein sehr geringes Risiko für eine schwere Erkrankung haben und deren Nutzen zur Eindämmung der Pandemie ebenfalls inzwischen in Frage gestellt werden muss, weil auch Geimpfte nachgewiesenermassen das Virus weitertragen, andere anstecken und selbst erkranken können.

Diskriminierung und Nötigung

Ein an der medizinischen Fakultät dozierender Professor müsst auch in der Lage sein, kritische Nachfragen auf wissenschaftlicher Basis gegenüber der Impfung nachzuvollziehen. Die Studenten an einer Uni sind jedenfalls allesamt erwachsen und intelligent genug, sich für oder gegen eine nicht abschliessend erprobte Impfung zu entscheiden. Das ist ein vom Staat gesichertes Recht. Was Herr De Quervain praktiziert, erfüllt den Bestand der Diskriminierung und der Nötigung. Wenn er selbst geimpft ist und an die Wirkung der Impfung glaubt, so hat er selber ja nichts zu befürchten.

Wenn er dennoch Angst davor hat, vor einem Saal voller Studenten zu dozieren, weil sich Ungeimpfte darin befinden, so müsste er als Mediziner auch Angst vor allen anderen Keimen haben, die diese Studenten möglicherweise mit sich herumtragen und dann sollte er konsequenterweise seine Lehrtätigkeit abbrechen. Und hoffen, dass wenn er an irgendetwas erkrankt, noch Krankenpflegepersonal in den Spitälern ist, das nicht aus Angst vor irgendwelchen Erkrankungen sämtlichen tatsächlich Erkrankten fernbleibt.

Kritikfähige, selbst denkende Menschen

In diesem Sinne auch herzlichen Dank an den Beitrag von Olivier Kessler in derselben Ausgabe der NZZ mit seinem «Einspruch gegen solidarisches Impfen». Und eine nachdrückliche Aufforderung an alle Universitäten, ihrem Auftrag und ihrem Leitbild treu zu bleiben und Zwang und Unfreiheit an ihren Instituten eine Absage zu erteilen, um kritikfähige, selbst denkende, frei forschende Menschen auszubilden.»

Konrad Rüegg aus Ebnat-Kappel/Linth24/Toggenburg24