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Kolumne
07.08.2021

Schwungvolles Wachstum und gute Semesterzahlen  

Christopher Chandiramani: «Die grössten Schweizer Unternehmungen haben nun ihre Hjahresergalbebnisse bereits publiziert.» Bild: zVg.
Dank starker Erholung der Wirtschaft nach einem Corona-Jahr, mehrheitlich positiver Zwischenberichte und anhaltender Tiefzinspolitik blieb die Stimmung bei den Aktien positiv.

Der Index der Einkaufsmanager (PMI) erreichte Rekordwerte. Im Juli stieg er um 4.3 Zähler. Der momentane Wert von 71.1 (50 = neutral) ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahre 1995. Zu verdanken ist diese gute Entwicklung insbesondere einer markanten Steigerung der Industrieproduktion. Rund die Hälfte aller befragten Unternehmen gab an, mehr zu produzieren als im Vormonat, während bei nur 14 Prozent der Firmen die Produktion abnahm. Im Ausland (EU, USA) gibt es ähnliche Wachstumswerte des wichtigen ökonomischen Frühindikators.

Die grössten Schweizer Unternehmungen haben nun ihre Halbjahresergebnisse bereits publiziert, abgesehen von einigen Nachzüglern. Der SMI verharrt knapp unter der Rekordlinie von 12‘200 Zählern. Dieses Jahr hat dieser Index um rund 14 Prozent zugelegt. Auch die Finanzwerte erholen sich.

Unternehmensergebnisse

Der grösste Schweizer Telecom-Anbieter Swisscom verzeichnete dank der italienischen Tochtergesellschaft Fastweb einen Gewinnsprung. Insgesamt stieg der Umsatz um 2.6 Prozent auf 5.6 Mrd. CHF mit einer Gewinnsteigerung  von 42 Prozent auf 1.05 Mrd. CHF. Das ist das beste Halbjahresergebnis seit 2005 (1.3 Mrd.). Letztmals hatte Swisscom im Jahr 2010 eine Milliarde erwirtschaftet. Viele Fragen an der Pressekonferenz gab es allerdings zur Panne, zum neusten und ausgedehnten Netzausfall anfangs Juli 2021. Internet-Telefonie bleibt störungsanfällig. Der Aktienkurs stieg deshalb nur vorübergehend.

Der Vakuumventil-Hersteller VAT hat in der ersten Jahreshälfte 2021 den Gewinn massiv gesteigert. Unterm Strich blieb ein Reingewinn von 99.2 Millionen Franken nach 55.7 Millionen im Vorjahr. Die EBIT-Marge stieg auf 33.9 Prozent (früher 29.7 Prozent). Das Unternehmen bleibt optimistisch.

Problem Umweltdiskussion

Die Apothekerkette Galenica weist dank Corona, Impfungen und Schnelltests einen Sprung nach oben auf. Auch auf Gewinnebene waren im H1/2021betrieblich vor Zinsen und Steuern (EBIT) 101.4 Mio. CHF zu vermelden (+21.3%), unter dem Strich waren es 82.5 Millionen Franken Reingewinn (+20.6%), dies bei einem Gruppenumsatz von 1.86 Mrd. CHF (+9.9 Prozent).

Die Airline Swiss (Tochtergesellschaft der Lufthansa) schreibt dagegen im ersten Halbjahr erneut einen hohen Verlust von 398 Mio. CHF. Die Erholung nach der Corona-Krise dauert in diesem Bereich sehr lange. Die Airline hat noch immer erst einen Bruchteil des Passagieraufkommens im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie. Nächstes Problem sind die Umweltdiskussionen (CO2), verbunden mit möglichen staatlich verordneten Einschränkungen und starken Preiserhöhungen für Flugreisen.

Der Tech-Investor Softbank hat gemäss Pressemeldungen eine strategische Beteiligung von 5 Mrd. USD (1.5% am Kapital) am Schweizer Pharmakonzern Roche aufgebaut.

Aussichten – Wirtschaftsboom, Inflationsgefahren, tiefe Zinsen, Corona

Viele Wirtschaftsindikatoren weisen weiterhin auf einen Boom hin. In einer neuen Prognose erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Wachstum für die Weltwirtschaft von total 6 Prozent (2021) und noch knapp 5 Prozent fürs kommende Jahr 2022 (Schweiz 3 Prozent), dies nach dem massiven Einbruch im Vorjahr. Zweifel bereiten jedoch das Corona-Virus und vor allem die Mutationen (Delta, Lambda) sowie stagnierende Impfquoten. Die einzelnen Länder wünschen hier höhere Werte. Auch gewisse Preise, vor allem Halbfabrikate, sind stark angestiegen.

Die Notenbanken verhalten sich vorläufig passiv. Leitzinserhöhungen würden den Aktienmärkten schaden, aber Corona bleibt vorderhand eine Goldgrube für die Pharmaindustrie. Ruhig ist es zurzeit an den Devisenmärkten. Die Anleihen-Renditen gingen leicht zurück, auch bei Neuabschlüssen von Festhypotheken. Die Nachfrage nach Immobilien steigt ungebremst.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Toggenburg24