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Kolumne
28.05.2021

Pfingstrally an den Aktienbörsen

Mit über 11'400 Punkten erreichte der SMI diese Woche einen neuen Rekordwert, so Christopher Chandiramani. Bild: Linth24
In der verkürzten Woche nach Pfingsten ging der Börsenzug wieder aufwärts. Positive Nachrichten in Bezug auf Corona, Wirtschaft, Zinsen, Unternehmen und aus den USA verliehen Schub.

Lockerungen bei den Corona-Massnahmen, eine anziehende wirtschaftliche Aktivität, tiefe Zinsen sowie steigende Unternehmensumsätze und Gewinne sowie ein 6-Billionen-Haushaltvorschlag der US-Regierung bildeten eine solide Basis für die Avancen.

Auch bei uns in der Schweiz gehen die Lockerungen weiter, teilweise mehr als erwartet. Ab Juni haben auch die Restaurants ihre Innenbereiche wieder geöffnet. Das Feierabendbier ist nun nach einem halben Jahr auch drinnen wieder erlaubt. Das hebt die Stimmung wieder ins Positive.
Der Verhandlungsabbruch des Bundesrats mit der EU bezüglich des Rahmenabkommens hatte bisher keinen negativen Einfluss auf die Aktienpreise. Mit über 11'400 Punkten erreichte der SMI in der Berichtswoche einen neuen Rekordwert.

Unternehmensnachrichten

Finanz- und zyklische Werte sowie Luxusgüter dominierten den Schweizer Börsenhandel, defensive Valoren tendieren zurzeit weniger dynamisch.

Der Winterthurer Industriekonzern Sulzer bringt im Jahresverlauf seine Sparte Applicator Systems (APS) als eigenständiges Unternehmen an die Börse. Die Abspaltung erfolgt über einen Aktiensplit. APS wird mit dem Börsengang in «Medmix» umbenannt und das Kapital erhöht. APS entwickelt und produziert Geräte zum präzisen Auftragen von Flüssigkeiten für den Gesundheitsbereich und für Industriekunden.

Die Vermögensverwaltungsbank Julius Bär kann eine Untersuchung über Geldwäsche- und Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit dem Weltfussballverband Fifa in den USA definitiv erledigen. Mit einem Vergleich, einer Zahlung 80 Mio. USD an die US-Behörden, ist die Sache weitgehend vom Tisch.

Die eher weniger bekannte Immobiliengesellschaft Peach Property hat ihr Portfolio aufgestockt. Sie kauft insgesamt 4'300 Wohnungen im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen und im Raum Bremen.

Das Aargauer Spezialitäten-Chemieunternehmen Dottikon ES hat im Geschäftsjahr 2020-21 Umsatz und Ergebnis gesteigert. Der Umsatz stieg in dem per Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr um 25 Prozent auf 219 Mio. CHF. Der Betriebsgewinn (Ebit) legte sogar um 66 Prozent auf 60.6 Mio. zu. Diese Gesellschaft zahlt keine Dividende.

Aussichten

Zwei Hauptthemen dominieren zurzeit die Schweizer Börse: die Corona-Lockerungen und der Verhandlungsabbruch mit der EU in Bezug auf das Rahmenabkommen. Während die Lockerungen einhergehen mit Staatshilfen, stärkerem Wirtschaftswachstum und anhaltend tiefen Zinsen und eine Basis für weitere Kursavancen bilden, ist der Verhandlungsabbruch wirtschaftlich noch nicht abschliessend erfasst.

Vermutlich haben wir eine ähnliche Situation wie nach dem EWR-Nein im Jahre 1992. Die bilateralen Abkommen gelten aber weiterhin. Den Finanzsektor dürfte es vermutlich weniger treffen, eher stärker die Industrie, Bildung und die Stromsparte. Jedoch ist ein Vertrag, bei dem beide Seiten unglücklich sind, niemals ein guter Vertrag. Schon unsere Väter haben immer wieder gesagt: «Heirate niemals eine Braut, welche dir nicht gefällt».

Die Demokratieformen der Schweiz und der EU bleiben unterschiedlich, sind nicht kompatibel. Der Entscheid des Bundesrats ist somit nachvollziehbar.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Toggenburg24