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Nesslau
09.05.2021
09.05.2021 20:03 Uhr

Letzter Ausbildner der Weissküferei in Ennetbühl

Weissküferei Werner Stauffacher Ennetbühl.
Weissküferei Werner Stauffacher Ennetbühl. Bild: Patricia Rutz
Werner Stauffacher ist Lehrmeister, der Lehrlinge in die Kunst der Weissküferei einfführt. Er hat uns extra kleine Ausschnitte von seinem Lehrling bei der Arbeit zugesandt.

Die Weissküferei ist in der Gemeinde ein über 120-jähriges Familienunternehmen. Bis 1987 war diese im Besitz der Familie Aerne. Werner Stauffacher war in der Zeit von 1977 bis 1987 beim Vorgänger angestellt und übernahm im Herbst 1987 mit seiner Frau die bestehende Weissküferei im Sidwald (Neu St. Johann). Die Weissküferei blieb somit weiterhin ein Familienbetrieb.

Verschiedene Produkte der Weissküferei. Bild: Patricia Rutz

Seit Anfang 2020 in der nächsten Generation

Im Jahr 1997 übernahm die Familie zusätzlich den Landwirtschaftsbetrieb in nächster Generation im Riet (Ennetbühl). Nach erfolgtem Ersatz-, Neubau der Liegenschaft zog die Familie mit den drei Kindern ins Riet (inkl. Weissküferei-Werkstatt sowie Verkaufsladen) um.

Seit Anfang 2020 hat nun in der nächsten Generation der Sohn Erwin mit seiner jungen Familie den Landwirtschaftsbetrieb übernommen. Stauffacher's Frau arbeitet in einem Teilzeitpensum weiterhin dort mit.

Lehrling von Werner Stauffacher an der Arbeit

Geschirr den Tragpferden aufgebunden

Unter den Handwerkern, die für die Sennen auch heute noch arbeiten, sind die Weissküfer am zahlreichsten. Denn das hölzerne Senngeschirr, dass der Senn mit auf die Alp nimmt, braucht er noch immer, auch wenn heute manches durch Aluminium und Chromstahl ersetzt ist. Beim «Öberefahre» werden die Senngerätschaften auf die «Ledi» geladen. Auf dem höher gelegenen, nicht mehr mit dem Wagen befahrbaren Gelände, wird das Geschirr dann den Tragpferden aufgebunden. 

Aus feinem weissen Ahorn und Fichtenholz

Dass die Weissküferei sich bis zum heutigen Tage so lebendig erhalten konnte, hat seinen Grund sicherlich in der zur Zeremonie gewordenen «Öberefahre». Der Senn liebt es, sich mit schönen Gegenständen zu umgeben und ist stolz darauf, sie bei der Alpfahrt den Zuschauern vorzuzeigen. Der kunstvolle Aufbau der «Ledi» dient allein diesem Zweck.

So werden die Fahreimer, Schottenkübel, Tansen, Käsegeschirr, Sauerfässer, Melkeimer und Motteli noch immer aus feinem weissen Ahorn und Fichtenholz hergestellt, geschnitzt und mit Kerbornamenten, Flachschnitzereien versehen, obwohl diese Senngeräte fast überall von modernem, industriell hergestelltem Geschirr verdrängt wurden. In der ornamentalen Bearbeitung der Milch–, Butter–, und Käsewirtschaft notwendigen Senngeschirre liegt ein Zeichen tiefer volkstümlicher Verbundenheit.

Wird dieser Lehrling einst das Handwerk übernehmen?

Weissküferei gehört zu den bäuerlichen Kulturen

Holz war allgemein im bäuerlichen Haushalt das am meisten verwendete Material.

Wir finden auf der ganzen Welt selbst das einfachste Holzgerät mit Schnitzereien verziert. Überall kannte man das Bestreben, das Nützliche über sich selbst hinauszuheben und einen ästhetischen Sinn zu unterstellen. Zusätzlich werden heute noch diverse Ziergegenstände hergestellt. 

So gehört die Weissküferei und die Schnitzereien (Natursymbolische Flachschnitzereien) zu den bäuerlichen Kulturen. 

Geschnitzte Tafel von Werner Stauffacher. Bild: Patricia Rutz

Einziger Betrieb in der Schweiz

Die Weissküferei und Drechslerei ist aktuell der einzige Betrieb in der Schweiz, welcher einen Weissküfer–Lernenden ausbildet. Für das Büro ist die Ehefrau von Werner Stauffacher zusammen mit einer Teilzeitmitarbeiterin zuständig.

Quelle: Website der Weissküferei.

Kontakt

Weissküferei & Drechslerei Werner Stauffacher
Riet, Evabrunnen
9651 Ennetbühl
071 994 10 53
familie@weisskueferei-stauffacher.ch
www.weisskueferei-stauffacher.ch

Öffnungszeiten Laden

Montag bis Freitag
08.30 bis 11.45 Uhr und 14.00 bis 17.00 Uhr
Samstag
08.30 bis 11.45 Uhr.
Nachmittag geschlossen.
Sonntag
ganzer Tag geschlossen.

Patricia Rutz/Toggenburg24