Home Region In-/Ausland Sport Rubriken Agenda
Kolumne
17.04.2021

Aktienbörse: Erholung nach schwächerem Wochenstart

Christopher Chandiramani: «Auch in der Schweiz war der SMI mit über 11’200 Punkten fast wieder auf Rekordniveau.» Bild: Linth24
Wegen der geopolitischen Lage begann die Woche mit Gewinnmitnahmen. Gute Konjunkturdaten (USA, Asien) und Zinsentspannung (Staatsanleihen) führten zu einer Erholung. SMI mit über 11'200 Punkten.

Der Konflikt um die Halbinsel Krim sorgte zunächst für Verunsicherung. Da sich Russland und die Ukraine gegenseitig beschuldigen, stieg die Besorgnis. Sogar US-Präsident Biden telefonierte mit Putin.

China vermeldet mit 18.3 Prozent im 1. Quartal 2021 ein Rekordwachstum. Die Wirtschaft läuft wieder auf Hochtouren. Das Wachstum ist so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

Der inländische Stromverbrauch fiel im Jahr 2020 Lockdown-bedingt leicht, gemäss der aktuellen Schätzung auf rund 55.7 TWh. Das sind 2.6% weniger als im Vorjahr (57.2 TWh).

Die Preise der Kryptowährungen wie Bitcoin (über USD 61'500) steigen immer höher. Inmitten dieses Hypes ging diese Woche mit der US-Gesellschaft Coinbase einer der ersten Krypto-Handelsplattformen an die Börse.

Die Kantonalbanken haben in einem schwierigen Umfeld gut gearbeitet. Im Jahre 2020 konnten sie einen kumulierten Jahresgewinn von 3.1 Mrd. CHF ausweisen. Die Bilanzsumme stieg um 11 Prozent auf 718.7 Mrd. Profitiert haben diese Banken auch vom Aktienhandel, den Covid-Krediten und steigenden Immobilienpreisen.

Der Bundesrat lockert die Pandemiemassnahmen. Restaurant-Terrassen dürfen ab Montag wieder öffnen. Auch Fitnessstudios, Kinos und Spotanlagen dürfen wieder unter strengen Corona-Auflagen besucht werden. In Deutschland geschieht das Gegenteil, man spricht bereits wieder von einer «Notbremse».

Selten hat eine Regulierung hat so viel Aufsehen erregt wie der «Berliner Mietendeckel». Jetzt hat in einem Urteil das Bundesverfassungsgericht die Regelungen für nichtig erklärt. Das hatte bereits einen Einfluss auf Grundstückpreise und deutsche Immobilienaktien.

Unternehmensmeldungen (Schweiz)

Die Luzerner Kantonalbank steigerte im ersten Quartal 2021 die Einnahmen um fast 47 Prozent auf 74.1 Mio. CHF. Unter dem Strich resultierte ein um 17 Prozent höherer Konzerngewinn von 54.9 Mio.

Auch der Zuger Industriekonzern Bossard (Verbindungstechnik) verbesserte sich kräftig. Der Umsatz legte um 11.8 Prozent auf 245 Mio. CHF zu. Währungsbereinigt, lag das Plus sogar bei 12.9 Prozent. Mit diesem Umsatzwachstum hat Bossard die Schätzungen der Analysten übertroffen.

Auch besser als erwartet war der Aromen- und Duftstoffhersteller Givaudan. Der Marktender übertraf im ersten Quartal die Schätzungen. Im Detail stieg der Umsatz von Januar bis März 2021 um 3.4 Prozent auf 1.67 Mrd. CHF. Um Zu- und Verkäufe sowie um Währungseinflüsse bereinigt lag das Wachstum bei 7.7 Prozent.

Der Flughafen Zürich erleidet im März 2021 erneut einen Passagiereinbruch. Die Gästezahlen lagen im März 2021 bei 228'050, was einem Minus von 74.4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Anzahl der Flugbewegungen lag mit 5'792 Starts oder Landungen um 48 Prozent ebenfalls deutlich unter Vorjahr.

Nach dem Milliardenverlust wegen der Pleite der Hedgefunds Greensill und Archegos blieb die Credit Suisse unter Druck. Zwei Manager wurden entlassen, Boni und Dividende gekürzt, ein Aktienrückkaufsprogramm verschoben. Spekulationen über eine allfällige Aufspaltung der traditionsträchtigen Grossbank hatten allerdings wenig Einfluss auf den Aktienkurs.

Aussichten: Börsensituation ähnlich wie 2008

Zurzeit haben wir eine ähnliche Situation an der Börse wie im Jahre 2008. Zuerst ein markanter Einbruch, ein Jahr später die Kursverluste wieder fast wettgemacht.
Auch vor einem Jahr fielen die Aktienkurse um insgesamt über 25 Prozent und heute sind wir sogar wieder auf höherem Niveau. Einziger Unterschied war damals ein kriselndes Finanzsystem und heute eine ganz andere Situation, die Corona-Krise mit den Lockdowns.
Offenbar scheinen sich die Industrie und Banken wieder zu erholen. In den übrigen Branchen – Tourismus, Gastgewerbe, Sport und Events usw. – dauert die Normalisierung wesentlich langsamer.

Auffallend ist zurzeit die Schweiz als eine Art «Corona-Insel». Im benachbarten Ausland sind die Massnahmen strenger. Der Gefahrenherd «Inflation», welcher den Aktien schaden könnte, ist noch in weiter Ferne, muss aber im Auge behalten werden.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Toggenburg2424