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Kolumne
13.03.2021

Aktienbörse auf der Achterbahn

Christopher Chandiramani zu den Aussichten: «Es riecht zurzeit eher nach Deflation anstatt Inflation.» Bild: Linth24
Positive und negative Meldungen zu Politik, Zins-Entwicklung, Corona und Hilfspaketen, Unternehmen usw. verwirrten die Investoren. Der Kursgewinn der ersten Wochenhälfte setzte sich zunächst nicht fort.

Nach einer schwächeren Vorwoche kam es zu Beginn zu Anschlusskäufen. Die Zinsen beruhigten sich, nachdem die europäische Zentralbank (EZB) verstärkte Anleihensrückkäufe angekündigt hatte, um den Geldmarkt weiter mit Liquidität zu versorgen. Die Währungen USD und EUR sowie Bitcoins blieben gegenüber CHF knapp unter den Mehrmonatshöchst.

Der US-Senat hat dem 1.9 Billionen Dollar schweren Konjunkturpaket mit geringfügigen Korrekturen zugestimmt. Nun liegt es dem Präsidenten zur Unterschrift bereit.

Der Bundesrat zögert immer noch mit Lockerungen bei der Corona-Bekämpfung – Angst vor einer dritten Welle. Die Fallzahlen steigen zwar wieder, Impfdosen fehlen und Tests verzögern sich. Die lang ersehnte Öffnung der Restaurants, allenfalls von deren Terrassen, ist in Frage gestellt.

Der Kanton Zürich hat im vergangenen Jahr einen Überschuss von 499 Mio. CHF verzeichnet. Ursprünglich war ein Überschuss von 61 Millionen budgetiert. Die Hauptursache liegt bei den Verzögerungen bei den Steuer-Veranlagungen. Infolge Corona ist in der kommenden Zeit mit Budgetdefiziten zur rechnen.

In Japan gedenken die Menschen der Fukushima-Katastrophe, dem Erdbeben und Tsunami vor 10 Jahren.

Unternehmensmeldungen

Die Greensill-Affäre bei der Credit Suisse (drohende Verluste) hat nun auch personelle Konsequenzen: Entlassungen von Fondsmanagern. Es gab auch Rückstufungen der Aktie durch die Analysten. Goldman Sachs strich die CS von der Empfehlungsliste, was zeitweise über 10 Prozent Kursverlust bedeutete.

Der Bahnbauer Stadler Rail hat die Coronakrise stark gespürt. Umsatz und EBIT sanken. Der Reingewinn stieg allerdings. Unter dem Strich hat Stadler einen Reingewinn auf 138.4 Mio. CHF (Vorjahr 128.5) erwirtschaftet – über den Erwartungen. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von 0.85 CHF, Vorjahr 1.20 CHF, pro Aktie.

Die Versicherungsgruppe Bâloise hat im Jahr 2020 insbesondere wegen Corona-Zahlungen und dem Wegfall positiver Steuereffekte weniger verdient. Der Versicherer plant weiteres Wachstum durch Akquisitionen. Der Gewinn fiel um 37 Prozent auf 434 Mio. CHF. Bâloise will mit 6.40 CHF Dividende je Titel gleich viel wie im letzten Jahr ausschütten.

Der Rapperswiler Sanitärtechniker Geberit hat im Geschäftsjahr 2020 den operativen Gewinn erneut gesteigert, aber unter dem Strich etwas weniger verdient als 2019. Der Reingewinn ging um 0.7 Prozent auf 642 Mio. CHF leicht zurück. Hier wirkten sich eine gestiegene Steuerquote sowie ein tieferes Finanzergebnis belastend aus. Die Dividende soll um 10 Rp. auf 11.40 CHF erhöht werden. Das wäre seit 2011 die zehnte Dividendenerhöhung in Folge.

Die Handyladenkette Mobilezone hat im vergangenen Jahr unter der Corona-Pandemie ebenfalls gelitten. Während der Umsatz nur moderat sank, brach der Reingewinn ein – mit einer Ausnahme, der Schweiz. Hier erzielte Mobilezone mit knapp über 30 Millionen CH EBIT das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte.

Aufgrund der Corona-Pandemie erlitt der Flughafen Zürich im Jahr 2020 einen historischen Einbruch. Die Erträge halbierten sich im Berichtsjahr von rund CHF 1.2 Mrd. auf CHF 624 Mio. (minus 48.4%). Der Konzernverlust für das abgeschlossene Geschäftsjahr betrug CHF 69.1 Mio. Dividende gibt es keine, aber trotzdem waren diese Aktien in den vergangenen Tagen deutlich im Plus.

Aussichten

Wenn sich die Festhypotheken bewegen (Neugeschäfte), kann man davon ausgehen, dass die Notenbanken an der Zinsschraube drehen. Der Mechanismus funktioniert aber nur indirekt. Notenbanken ändern die kurzfristigen Sätze. Die langfristigen Zinsen setzt der Markt aufgrund von Erwartungen.
Für generell höhere Zinsen ist es eigentlich momentan noch zu früh. Es riecht zurzeit eher nach Deflation anstatt Inflation. Eine Fortsetzung der Tiefzinsphase sollte eigentlich zusammen mit den angekündigten Konjunkturpaketen die Aktienmärkte weiter stützen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Toggenburg24