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Kanton
21.01.2021

Wegen Corona ist auch das Wartebänkli tabu

Ein Security-Mann habe aufgeregt aber freundlich gesagt, dass hier das Sitzen aufgrund des Lockdowns verboten sei. Bild: Linth24
Im «Sonnenhof» in Rapperswil darf man sich aufgrund des Lockdowns nicht mehr aufs Bänkli setzen. Ein Erlebnisbericht von Kantonsrat Christopher Chandiramani.

«Bei kontinuierlich sinkenden Fallzahlen ist es auf den ersten Blick paradox, wenn die Massnahmen strenger werden. Aber Experten, BAG und Bundesrat fürchten eine bevorstehende dritte Welle und gefährlichere Mutationen des Corona-Virus. Aufgrund des Epidemie-Gesetzes und der neuen Covid-Vorschriften, die vom Eidgenössischen Parlament im Herbst bewilligt wurden, darf der Bundesrat jederzeit Verschärfungen einführen oder wieder lockern. Im Einkaufszentrum «Sonnenhof» in Rapperswil werden aber die Regeln mit einem sogenannten «Aufenthaltsverbot» noch härter durchgesetzt, als von Bund und Kanton St. Gallen verlangt. Hier hat man offenbar das Augenmass bereits verloren.

Seit Montag haben viele Geschäfte geschlossen, wie offiziell vorgeschrieben. Alle Restaurants sind zu, nur noch die Grossverteiler - Swisscom, Apotheke und Kiosk - haben geöffnet. Einigen Gestelle mit Waren von Artikeln für den «nicht-täglich notwendigen Gebrauch» sind abgedeckt. Im «Sonnenhof» gibt es auch andere Mieter wie Schulen, Anwälte, Arztpraxen und Anbieter anderer Dienstleistungen.

Kein Sitzen auf den Bänken

Am Dienstag, 19. Januar 2021, war ich im «Sonnenhof», wo ich einen Termin hatte. Der Bus kam eine Viertelstunde vor dem Meeting an. In solchen Fällen nehme ich mir normalerweise Zeit für Besorgungen: Kiosk, Apotheke, kleinere Einkäufe usw. und zuletzt gibt es normalerweise einen kurzen Moment auf einer roten Sitzbank, um einen Blick aufs Handy zu werfen, Einkäufe umzupacken, etc. Als ich dort sass, eilte ein junger Security-Mann zu mir und sagte zunächst aufgeregt aber freundlich, dass hier das Sitzen aufgrund des Lockdowns verboten sei. Ich erklärte ihm meine Situation, dass ich aus gesundheitlichen Gründen (Erkältungsgefahr) nicht draussen warten dürfe, antwortete ihm dann auch, dass ich in wenigen Minuten wieder fort sei. Dann sagte er leise «ok» und zog zu weiteren Leuten auf anderen Sitzbänken.

Wichtig, Kundschaft nicht zu vertreiben

Mit einem «Sitz- oder Aufenthaltsverbot» leisten Verwaltung und Eigentümerin (gemäss Wikipedia UBS Immobilienfonds) keiner Person einen Gefallen. Aufgrund der Lockdowns nimmt der Bundesrat Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Konkurse und zerstörte Existenzen in Kauf. Die traurige Nachricht ist, dass dies auch unsere Region betrifft, und bis Ende 2021 auch im «Sonnenhof» mit Schliessungen zu rechnen ist. Die Mieterschaft bzw. das Gewerbe sind Opfer der staatlichen Massnahmen gegen Corona geworden. Die finanzielle Staatshilfe ist zu gering und kommt zu spät. Die Grossen dürften überleben, die Kleinen nicht. In einer solchen Situation ist es wichtig, die Kundschaft – die noch bleibt – zu pflegen und nicht zu ärgern oder zu vertreiben.»

Christopher Chandiramani, Kantonsrat St. Gallen