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Kolumne
12.01.2026

Warum sind alle Lichter weg?

Traditionelle Weihnachtsbeleuchtung. (Symbolbild)
Traditionelle Weihnachtsbeleuchtung. (Symbolbild) Bild: zVg
Warum räumen die meisten Menschen im Januar die Weihnachtsbeleuchtung weg? Dieser Frage ist Toggenburg24 nachgegangen und kam zu diesen Antworten:

Es schreibt niemand vor, dass die Weihnachtslichter im Januar nicht mehr brennen dürfen. Es sind Traditionen, gesellschaftliche Normen, wahrscheinlich auch Kosten und organisatorische Entscheidungen, die dazu führen, dass nahezu alle Deko-Lichter im Januar aus sind.

Kirchliche Normen

Der kirchliche Kalender gibt vor, dass die Weihnachtszeit am 6. Januar (Dreikönigstag) historisch endet. In manchen Gegenden ist es erst der 2. Februar (Mariä Lichtmess). Bis dahin wären Weihnachtslichter noch legitim. Doch für viele ist eine längere Weihnachtszeit kein Thema mehr.

Man macht das halt so...

Die gesellschaftliche Norm ist ganz einfach – man macht das halt so. Dabei sind die wichtigsten Punkte, dass man sich von der Weihnachtsromantik entfernt, weil die Schule, die Arbeit und somit der "ernst des Jahres" wieder beginnt. Weihnachtslichter werden mit Ferien, Konsum und auch mit einem speziellen Ausnahmezustand verbunden. Wenn der Alltag zurückgekehrt ist, dann wirken diese Lichter für viele überholt und unpassend. Dabei geht es nicht um die Weihnachtsdekoration, sondern um die Lichter, die die dunkle Jahreszeit heller erscheinen lassen. Der soziale Druck ist so gross, dass sich viele Menschen fügen und alles abräumen.

Die Handhabung von Gemeinden und Städten

In den Gemeinden und Städten entscheidet dessen Regierung, wie lange die öffentliche Weihnachtsbeleuchtung hängen bleibt, wann sie abgeschaltet und abgebaut wird. Dafür gibt es plausible Erklärungen wie Stromkosten, Wartung, Personalaufwand, Verkehrssicherheit und auch das Thema der Stromverschwendung. Die Abschaltung erfolgt meistens zwischen dem 2. und 10. Januar. Auch da gibt es kein Gesetz, sondern eine Verwaltungsentscheidung. In den letzten Jahren kam die Energie-Debatte und die Moral besonders zum Tragen. Die Themen der Energiekrise, der Klimadiskussion und der Sparappelle hielten auch vor der Weihnachtsbeleuchtung nicht an. Sie wurde als unnötig, nicht mehr zeitgemäss und provozierend empfunden. So entstand auch durch diese Themen ein indirekter Druck, die Lichter früher abzuschalten.

Ein Aspekt, an den vielleicht viele nicht denken, ist, dass die Beleuchtung oft gemietet, zeitlich programmiert und Teil des Winterevents sind.

Wie steht es denn mit Privathaushalten?

Da hat niemand von aussen etwas zu sagen. Sie wird abgeschaltet, wann die Bewohner es bestimmen, ob sie nun moralisch sich verpflichtet fühlen, sparen oder andere private Gründe dafür haben. Es ist kein Verstoss, wenn Nachbarn im Januar noch Lichter haben, weil es nicht verboten und kein Regelverstoss ist. Es ist höchstens eine Frage des Geschmacks. Viele schalten sie ab, weil sie nicht auffallen wollen, das Gefühl haben, es ist vorbei und einfach Ordnung schaffen wollen.

Und Weihnachtslichter stehen für Wärme, Stillstand, Gemeinschaft, Dunkelheit, die erhellt wird, doch der Januar steht für Leistung, Neubeginn, Disziplin und Zurück in die Spur. 

Die weiter brennenden Lichter stören das Drehbuch. Diejenigen Regionen, die die Lichter bewusst bis Lichtmess brennen lassen, tun das als Zeichen gegen die Winterdepression und für die Gemeinschaft. Es geht hier wohl weniger um das Dürfen als um das, was sich die Gesellschaft erlaubt.

Doch das frühe Abschalten hat nichts mit dem alten Brauchtum zu tun, sondern ist ein relativ junges Phänomen.

  • Symbolbilder Bild: Yvonne Grau
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  • Bild: Yvonne Grau
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  • Bild: Bild: Grok/KI
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  • Bild: zVg
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Handhabung in den verschiedenen Zeiten

  • In den 50er Jahren war elektrische Beleuchtung selten, teuer und eher kirchlich wohlhabenden Haushalten vorbehalten. Die Weihnachtszeit dauerte bis mindesten Dreikönig, in katholischen Gegenden oft bis Lichtmess (2.2). Dazu kam, dass es kaum etwas zum Abschalten gab.
  • Bis zu den 60er Jahren wurden elektrische Lichter massentauglich und die Weihnachtsbeleuchtung bliebt oft bis Dreikönig oder länger. Die Gesellschaft hatte eher einen langsameren Jahresrhythmus. Das frühe Abschalten war unüblich.
  • In den 70er bis 80er Jahren kam der Wendepunkt, weil es mehrere Faktoren gleichzeitig gab. Die Oelkrise (erstes grosses Energiesparen), stärkere Trennung von Arbeit und Schule, zunehmende Säkularisierung, ein immer stärker werdender Konsum-Event und Neujahr definiert als Neustart-Symbol. Mit diesen Gründen wurde Weihnachten zeitlich zusammengedrückt und die Lichter verschwanden immer öfter nach Neujahr.
  • In den 90er bis 2000er Jahren gab es eine Normalisierung, da die Städte feste Beleuchtungszeiträume einführten. Die Weihnachtsmärkte endeten spätestens am 24.12 oder 31.12 und die Medien verkündetten ab 2.  Januar Alltag, Sale, Fitness und Neues Jahr. Die Abschaltung um den 2. bis 7. Januar wurde Standard. Hinterfragt wurde es nicht mehr.
  • Ab 2010 stieg die Effizienz (LED's), doch die moralischen Debatten nahmen zu im Sinne von braucht es das noch? Die Weihnachtslichter wurden stärker ökologisch, politisch und sozial stärker bewertet. Am Ende ersetzte der soziale Druck die Traditionen.
  • Seit 2020 kommen verschiedene neue Faktoren dazu, wie Pandemie, Energiekrise, Krieg und Inflation. Die öffentliche Beleuchtung wird verkürzt, reduziert und auch symbolisch aufgeladen. In vielen Gemeinden wird sie direkt nach Neujahr abgeschaltet, sogar teilweise schon zwischen dem 27. und 30. Dezember.

Diese Aufstellung zeigen, wie ein Thema durch verschiedene Jahrzehnte von momentanen Situationen geprägt und beeinflusst wird. Jeder kann immer noch selbst entscheiden, wie er sich den Normen anpassen möchte. Grundsätzlich gehört das Licht in den dunklen Januar. Man könnte auch sagen, je schneller die Gesellschaft wird, desto kürzer durfte das Licht brennen.

Rutz, Patricia, Toggenburg24
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