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Kolumne
04.10.2020

Aktienbörsen: Corona-Schockmeldung aus den USA

Christopher Chandiramani zu Trumps Corona-Infektion: «Die überraschende Meldung schickte zunächst Aktien und Rohstoffe in den Keller. Später stabilisierten sich die Preise auf tieferem Niveau.» Bild: Linth24
Am Freitagmorgen erreichte uns die Nachricht, dass US-Präsident Trump mit seiner Frau corona-positiv getestet wurde. Dies wirkte sich zunächst negativ auf Aktien und Rohstoffe aus; die Nervosität hielt an.

Bereits zu Wochenbeginn stand der US-Präsident im Rampenlicht. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen (3. November) fand das erste TV-Rededuell zwischen Donald Trump und Joe Biden statt. Die beiden Anwärter auf das Präsidium hatten verbal heftigen Streit. Es gab keinen Sieger, nichts Konstruktives kam heraus, sogar der Moderator verlor zeitweise die Kontrolle.

Nach einer eher trüben Vorwoche startete das Handelsgeschäft am Montag freundlicher. Aber Erholungen wurden immer wieder im Keim erstickt. In den USA waren die Erholungsphasen eher etwas kräftiger, dank Hoffnungen auf weitere Konjunkturpakete durch Regierung und Notenbank sowie abnehmende Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.

Die EU erwägt eine Klage gegen Grossbritannien vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Parteien sind sich nicht einig über verschiedene weitergehende Brexit-Regelungen. Das Endresultat dürfte später auch Einfluss auf die Nachverhandlungen der Schweiz haben in Bezug auf den Rahmenvertrag mit der EU.

Unternehmen: Noch keine Neunmonatszahlen

Die Schweizerische Nationalbank hat mitgeteilt, dass sie seit dem Frühjahr 2020 mit über 90 Mrd. am Devisenmarkt interveniert hatte, um den CHF gegenüber Dollar und Euro zu schwächen. Die Aktien der SNB sind ein Spezialfall, haben kaum Aktionärsrechte. Zwar ist die Aktie an der Börse handelbar, Besitzer dürfen an der GV teilnehmen, erhalten jährlich CHF 15 Dividende, aber lediglich den Nennwert von CHF 250 ausbezahlt im Falle einer Liquidation (Aktienkurs CHF 4'800).

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé bricht mit einer Tradition. Er verkauft die im Jahr 1903 geschaffene Marke Stalden (Schokoladecrème für Desserts) an die Guma AG in Bilten (Kanton Glarus).

Die Zofinger Firma Siegfried expandiert durch Akquisition im Bereich Pharmazulieferung. Vom Basler Pharmakonzern Novartis übernimmt sie zwei pharmazeutische Produktionsstätten. An den Standorten in Barcelona arbeiten rund 1’000 Mitarbeitende. Damit wird Siegfried ab dem nächsten Jahr zum Umsatzmilliardär.

Der Zuger Bauchemiekonzern Sika hat an einem Investorentag in New York seine strategischen Ziele für die Zukunft bestätigt. Impulse sieht die Unternehmung durch den «Megatrend Urbanisierung» bzw. vom zunehmenden Wachstum der Grossstädte. Ferner hat Sika seit Ende des «Lockdown» wieder an Dynamik gewonnen, auch bei den Marktanteilen.

Swiss-Chef Thomas Klühr tritt aus persönlichen Gründen Ende Jahr als Konzernchef der Airline zurück. Wie andere Fluggesellschaften durchläuft zurzeit auch die Swiss eine durch «Corona» verursachte Krise.

Aussichten: Donald Trump, wie weiter?

Ein mit Corona infizierter US-Präsident heisst nicht unbedingt, dass er krank wird und bedeutet auch kein Todesurteil. Aber auf die Wahlen dürfte die Schockmeldung Einfluss haben. Notfalls würde Vizepräsident Mike Pence die Amtsgeschäfte übernehmen.

Die Nachricht kommt zu einem ungünstigen Moment, 30 Tage vor den sehr wichtigen Präsidentschaftswahlen. Von einer Verschiebung wurde noch nicht gesprochen.

Auch sonst sind September und Oktober üblicherweise die schlechtesten Börsenmonate im Jahresverlauf. Die Crashes von 1929 und 1987 fanden ebenfalls im Oktober statt.

Die Quartalszahlen der Unternehmungen haben wir noch nicht, wissen nicht, ob sie die Erwartungen erfüllen. Allfällige Dividendenkürzungen im kommenden Frühjahr wären auch möglich, wenn das Corona-Virus bis dann noch nicht besiegt ist.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Toggenburg24