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Politik
28.09.2021

Bewaffnet vor die Tür – ein Viertel sagt Ja

Das Waffen-Verbot in der Öffentlichkeit stösst nicht bei allen Deutschschweizern auf Zuspruch. Bild: pixabay.com
Eine Waffe in der Öffentlichkeit mit sich zu tragen ist grundsätzlich verboten. Eine Umfrage von Marketagent zeigt, dass 24% der Deutschschweizer eine Verbotslockerung begrüssen würden.

Geht es um den Erwerb und Besitz legaler Waffen, verfügt die Schweiz über eines der
liberalsten Gesetze der Welt. Das Mitführen von Waffen im öffentlichen Raum ist jedoch nur in wenigen Ausnahmefällen erlaubt, grundsätzlich also verboten. Dieses Verbot ist nicht unumstritten. Dabei steht für Gegner und Befürworter das Argument Sicherheit im Zentrum.

Für ein Recht auf Waffentragen

Marketagent.com Schweiz führte vom 8. bis 16. Juli 2021 eine repräsentative Umfrage zum Thema Waffentragen durch. Befragt worden sind 750 Personen aus der Deutschschweiz im Alter von 14 bis 74 Jahren. Dabei wurden die Argumente, die für oder gegen eine Lockerung des aktuellen Gesetzes sprechen, mittels 4-er Skala (von 1 = stimme überhaupt nicht zu bis 4 = stimme voll und ganz zu) abgefragt. «Weiss nicht» oder eine Mittelkategorie standen als Auswahl nicht zur Verfügung. Die Umfrage ergab unter anderem folgende Resultate:

  • 24 Prozent befürworten („stimme eher zu“ und „stimme voll und ganz zu“), dass die Bewilligung für das Tragen von Waffen im öffentlichen Raum erleichtert werden sollte, während die grosse Mehrheit (76%) sich dagegen ausspricht („stimme eher nicht zu“ und „stimme überhaupt nicht zu“).
  • Unter den Befürwortern sind deutlich mehr Männer als Frauen (27% vs. 20%). Dabei argumentieren 32 Prozent aller Befragten, dass ein Mitführen einer Waffe gerade für Frauen ein Vorteil wäre, da sie so deutlich wehrhafter gegen Gewalttäter seien. Bei dieser Einschätzung unterscheiden sich Männer und Frauen in ihrer Meinung kaum (33% vs. 31%).
  • Innerhalb der Altersgruppen zeigen sich die 20- bis 29- sowie die 30- bis 39-Jährigen deutlich offener für eine erleichterte Waffentrag-Bewilligung (27% bzw. 28%) als die 14- bis 19-Jährigen bzw. die 50- bis 74-Jährige (22% bzw. 18%).
  • Jeweils rund drei von zehn sehen die Sicherheit des und der Einzelnen durch eine erleichterte Bewilligung zumindest eher erhöht, da es die Selbstverteidigung zu einem grundlegenden Recht machen würde (31%) oder abschreckend wirken würde (31%).
  • 28 Prozent glauben, dass dank bewaffneter Zivilisten Amokläufer oder Terroristen gestoppt werden könnten und sich damit Opfer vermeiden liessen.

Mehr Gewalt gegen Frauen und Homosexuelle

Ganz anders sehen das die Gegner. Die grosse Mehrheit (84%) fürchtet, dass eine Liberalisierung des aktuellen Gesetzes generell zu mehr Gewalt, Schussverletzungen und Tötungsdelikten führen und dadurch die Sicherheit des Einzelnen, der Einzelnen gefährden würde.

80 Prozent gehen auch davon aus, dass eine erleichterte Bewilligung Amokläufe und Terroranschläge begünstigen würde.

«Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen über eine erleichterte Bewilligung für das Waffentragen an öffentlichen Orten zu? Eine erleichterte Bewilligung für das Waffentragen an öffentlichen Orten...» Bild: Marketagent.com Schweiz

Eine deutliche Mehrheit sieht vor allem Frauen und Minderheiten gefährdet und rechnet mit mehr Suiziden, sollten die Restriktionen für das Waffentragen gelockert werden.

  • 76 Prozent befürchten, dass die Gewalt gegenüber Frauen und in Familien zunehmen würde.
  • 73 Prozent stimmen der Aussage zu, dass ethnische und religiöse Minderheiten oder Personen aufgrund der sozialen Zugehörigkeit oder sexuellen Orientierung gefährdet würden.
  • Auch gehen 64 Prozent davon aus, dass es zu mehr Suiziden kommen würde.

Hälfte der Frauen fühlt sich unsicher auf Heimweg

Generell fühlt sich die Schweizer Bevölkerung an stark frequentierten Orten wie Einkaufszentren, Einkaufsstrassen und öffentlichen Plätzen und in den Verkehrsmitteln sicher.

  • Bei vielem kommt jedoch vor allem beim nächtlichen Heimweg ein Gefühl der Unsicherheit auf. 38 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich hier zumindest eher unsicher fühlen.
  • Dabei zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern:
    48 Prozent der Frauen fühlen sich auf dem nächtlichen Heimweg zumindest eher unsicher, bei den Männern sind es mit 28 Prozent deutlich weniger. Auch an Bushaltestellen und Bahnhöfen ist das Gefühl der Unsicherheit bei Frauen klar ausgeprägter (31% der Frauen fühlen sich zumindest eher unsicher, Männer: 20%) oder auch beim Spaziergang im Wald (Frauen: 29%, Männer 13%)
«Wie sicher fühlen Sie sich in der Schweiz an den folgenden öffentlichen Orten vor physischer Gewalt, egal ob durch Terror, Amokläufe oder sonstige Gewalttaten?» Bild: Marketagent.com Schweiz

Über Marketagent.com Schweiz AG

Marketagent.com Schweiz ist ein auf quantitative und qualitative Online-Markt- und Meinungsforschung spezialisiertes Forschungsinstitut und verfügt in der Schweiz über ein ISO zertifiziertes Befragungspanel mit über 65'000 (Stand: Juli 2021) Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter zwischen 14- und 74 Jahren.

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