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22.09.2021

«Eine eingetragene Partnerschaft kann gefährlich werden»

Schlagersänger, Bänker, Fernsehmoderator und pro «Ehe für alles»: Nico Sanders aus Rapperswil argumentiert für ein Ja am Sonntag.
Schlagersänger, Bänker, Fernsehmoderator und pro «Ehe für alles»: Nico Sanders aus Rapperswil argumentiert für ein Ja am Sonntag. Bild: Linth24
Nico Sanders ist Bänker, Fernsehmoderator, Schlagersänger – und in einer gleichgeschlechtlichen Ehe. Im Linth24-Interview erzählt der Rapperswiler von seiner Karriere und kontert die Argumente gegen die «Ehe für alle».

In Rapperswil-Jona geboren und als Bänker, Schlagersänger und Fernsehmoderator tätig: Das ist Reto Schmid alias Nico Sanders. Steht er nicht gerade hinter dem Credit Suisse Schalter am Flughafen Zürich, so bringt er entweder ein Schlagerlied heraus oder moderiert die Fernsehsendung «Alpenwelle». Im Linth24-Interview erzählt der 46-Jährige, wieso die Corona-Zeit für ihn eigentlich gar nicht so schlimm war und welche Musikprojekte bei ihm anstehen.

Sanders und sein Partner Rodrigo Santos Carneiro haben sich im März 2021 das Ja-Wort gegeben. Zur «Ehe für alle» erklärt Nico Sanders, wieso der bisherige Status «eingetragene Partnerschaft» gefährlich sein kann und wieso es auch ohne neues Gesetz immer einen Weg gibt, ein Kind zu bekommen.

Linth24: Nico Sanders, am Sonntag wird voraussichtlich die «Ehe für alle» angenommen. Wie stehen Sie zur Abstimmung?

Nico Sanders: Ich finde es tragisch, dass man da überhaupt noch darüber abstimmen muss. «Vor dem Gesetz sind alle gleich», heisst es. Ich finde es fast schon menschenverachtend, dass andere Menschen darüber entscheiden können, ob homosexuelle Paare heiraten dürfen. Denn die meisten Personen, die Nein stimmen, die tangiert das überhaupt nicht. Sie müssen nicht mehr Steuern zahlen oder sich einschränken, wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen.

«Es gibt immer einen Weg, ein Kind zu kriegen»
Nico Sanders, Schlagersänger

Ein Gegenargument lautet, dass «Kinder Vorbilder von beiden Geschlechtern brauchen». Was meinen Sie dazu?

Meiner Meinung nach ist dieses Bild veraltet. In der heutigen Zeit trennen sich so viele heterosexuelle Paare, da gibt es genug Beispiele, in denen sich Kinder ebenfalls plötzlich an eine ganz neue Situation anpassen müssen. Das gehört zum Leben dazu. Für ein Kind ist optimal, wenn zwei Personen als Eltern da sind. In den meisten Köpfen ist es immer noch dieses traditionelle Bild von einer Mutter und einem Vater, aber das können genau so gut zwei Frauen respektive zwei Männer sein.

Sogar bei einem «Nein» am Sonntag, wird es für homosexuelle Paare immer eine Möglichkeit geben, ein Kind zu bekommen: Ich zum Beispiel habe mich mit einer alleinstehenden Frau zusammengetan und wir haben uns entschieden, als gute Freunde ein Baby zu kriegen. Und somit habe ich nun einen wunderbaren Sohn, was zeigt, dass es irgendwie immer einen Weg gibt, eine Familie zu gründen. Wieso will man es denn nicht einfach legalisieren?

«In einigen Ländern kann eine eingetragene Partnerschaft gefährlich werden»
Nico Sanders, Schlagersänger

Die Gegner sagen auch, dass eine eingetragene Partnerschaft ausreichen würde...

Ich kann es überhaupt nicht nachvollziehen, dass jemand das so empfindet. Wenn überall einfach steht «eingetragene Partnerschaft», nur schon zum Beispiel bei der Kontoeröffnung bei der Bank oder bei der Krankenkasse oder AHV/Pensionskasse etc., dann weiss mein Gegenüber gleich, dass ich schwul bin. Mir persönlich tut das nicht weh, wenn das steht, aber wenn ich zum Beispiel in Länder reise wie Ägypten, Irak oder Syrien kann das echt gefährlich sein, wenn auf einem Dokument «eingetragene Partnerschaft» steht, da Homosexualität dort ein grosses Tabu ist und man sogar verfolgt wird deswegen. Das ist vielen gar nicht bewusst, in der Schweiz ist man vielleicht sicher, aber weltweit kann es eben je nachdem gefährlich werden.

Seit März 2021 sind Nico Sanders und sein Partner Rodrigo Santos Carneiro verheiratet. Bild: Instagram, Nico Sanders

Sie arbeiten am Schalter bei der Credit Suisse am Flughafen. Was hat sich seit Corona verändert?

Es gab natürlich massive Veränderungen. Plötzlich hatten wir keine Kunden mehr, da gar keine Flüge mehr gingen, wir aber weiterhin täglich geöffnet haben. Aus Sicherheitsgründen wurden wir Angestellten in Gruppen aufgeteilt und dann arbeitete man fünf Tage, dann wieder fünf Tage nicht usw. Dadurch hatte man Ende Monat natürlich viele Minusstunden, welche dann kulanterweise Null gestrichen wurden. Für mich war das ehrlich gesagt sehr angenehm, ich hatte noch nie so viel frei und es gab keine Kurzarbeit. Trotzdem war es im Lockdown sehr trist: Alle Läden und Restaurants im Flughafen um uns herum hatten zu und es war dunkel, nur bei uns brannte Licht.

Aktuell sind wir bei 20 – 30% vom normalen Volumen, haben etwa 30 Kunden pro Tag. Das ist schon wieder besser als in der «schlechtesten Zeit», da waren etwa nur noch 5% von der normalen Kundenanzahl in der Bank.

Wie intensiv haben Sie in dieser Zeit an der Musik gearbeitet?

So intensiv wie möglich. Der Song «Hüt Nacht» ist entstanden und das Musikvideo wurde vor der wunderschönen Rapperswil-Joner Kulisse gedreht. Ansonsten habe ich viel Zeit im Freien verbracht, auch auf dem Vita Parcours.

«Die Mutter von Florian Silbereisen lud mich auf eine Kreuzfahrt in der Karibik ein»
Nico Sanders, Schlagersänger

Worauf dürfen sich Ihre Fans sonst freuen in nächster Zukunft?

Dieses Jahr habe ich auch noch eine CD mit den grössten Hits von Vico Torriani neu arrangiert. Mein Fokus liegt momentan auf meinem Job als Banker. Zudem moderiere ich beim Musik-TV-Sender «Alpenwelle» – das erfüllt mich sehr.

Gibt es einen Moment in Ihrer Musikkarriere, den Sie nie mehr vergessen werden?

Schon als Teenager habe ich den Grand Prix der Volksmusik im Fernsehen verfolgt und schon da war es mein Ziel, dort mitzumachen, auf Biegen und Brechen. Und ich durfte tatsächlich dreimal dabei sein, konnte mir also meinen Traum erfüllen. Das Zweite, was ich nie vergessen werde ist, als mich Helga Silbereisen, die Mutter von Florian Silbereisen, auf eine Kreuzfahrt eingeladen hat. Zusammen mit ihrem Sohn und Helene Fischer. Zwei Wochen Kreuzfahrt in der Karibik über Weihnachten/Neujahr – das war unglaublich und unvergesslich.

Linda Barberi, Linth24/Toggenburg24