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Leserbrief
Magazin
24.05.2021

Austausch unter Menschen in dunklen Zeiten

Ein Stück Freiheit mit Musik in einer illustren Location.
Ein Stück Freiheit mit Musik in einer illustren Location. Bild: Suna Lommen
Letzte Woche trafen sich Menschen von überall her, tauschten sich aus, assen, lachten und gaben sich einander ihre Adressen und sagten am Schluss: «Wir sehen uns wieder».

Letzte Woche nahm ich an einer offenen friedvollen Diskurs-Kultur in der Corona-Krise teil. Mich beeindruckte ganz einfach das Aufeinandertreffen von verschiedenen Menschen aus verschiedenen Regionen der Schweiz.

Eigenverantwortung und Handlung gefragt

Als Einstimmung sang ein Paar Lieder, die sehr viele Emotionen auslösten. Doch lösten sie auch Stimmung aus. Stimmung, um gemeinsam nach langer Zeit, sich wieder einmal auszutauschen mit Menschen, die zufällig aufeinandertrafen. Ich war tief beeindruckt. Es waren keine resignierten Menschen, sondern welche, die nicht im Widerstand verharren, sondern aktiv an ihrem Leben etwas verändern möchten. Dazu ist Eigenverantwortung und Handlung angesagt. Das ist für viele Menschen anstrengend geworden. Doch ohne diese Eigenverantwortung und selbständiges Handeln kommen wir nicht weiter.

«Sag mir, wo die Freiheit ist, wo ist sie geblieben?» Bild: Suna Lommen

Meine Freunde sind verstummt

Seit bald 1 1/2 Jahren verharren wir in einer Starre, die Untätigkeit hervorruft. Viele Menschen haben sich aus meinem Freundeskreis wirklich so zurückgezogen, dass ich sie wohl nicht mehr sehen werde. Dabei habe ich ihnen kein Schmerz und kein Leid zugeführt. Nein, sie haben Angst. Es sind Menschen, die mit mir zur Schule gingen, denen Freiheit oberste Priorität hatte. Doch jetzt sind sie verstummt.

Es kommt Bewegung

Letzte Woche besuchte ich «Shiatsu». Die Therapeutin sagte mir, dass sie noch nie so viele Menschen anders kennengelernt habe wie in Corona Zeiten. Was ihr besonders auffiel, die verschiedenen Seiten eines einzelnen Menschen. So deckte sich ihre Aussage mit meiner. Leute, bei denen ich es nicht für möglich gehalten hätte, dass sie Angst dermassen lähmen würde. So lähmen würde, dass sie nicht einmal mehr aus dem Haus gehen, geschweige denn, sich mit mehreren anderen treffen. Schade!

Doch aus den neuen Kontakten sprüht auch Leben, andere Meinungen, Tatendrang und ein Miteinander, dass ich so noch nie erlebt habe. So erlebe ich auch eine Zeit mit vielen Geschenken, die mich aufbauen und stärken.

Was möchte ich noch erleben?

Es gebe so viele andere Themen als Corona. An diesem Abend ergab sich zu später Stunde eine Runde, die sich lange über Themen unterhielt, die gar nichts mehr mit Corona zu tun hatten. Diese Themen berührten mich zutiefst, da sie mit dem Leben jedes einzelnen Menschen zu tun hatten. Plötzlich stand ich da und fragte mich, was möchte ich eigentlich in den nächsten Jahren erleben, erreichen? Wen möchte ich gerne wieder treffen? Mit wem möchte ich mich weiter austauschen?

Wohl hatte der Homöopath, denn ich im März 2020 aufsuchte doch recht. Damals wollte ich es nicht wahrhaben, als er sagte: 

«Suna, Du wirst erleben, dass viele Menschen Deinen Lebenszug verlassen. Es werden Menschen sein, von denen du nie gedacht hättest, dass sie jemals nicht mehr mit dir den Weg gehen würden. Das Leben ist wie ein Zug. Es steigen Menschen aus, es steigen welche zu. Manche sind nur flüchtig bei dir, andere begleiten dich länger, gar ein Leben lang.»
Homöopath im März 2020
«Sag mir, wo die Wahrheit ist, wo ist sie geblieben?» Bild: Suna Lommen

Neue Menschen in meinem Lebenszug

Mir gefiel das damals gar nicht. Da ich mich sehr verbunden fühlte mit vielen meiner Freunde. Ich traf sie regelmässig, mochte sie sehr gerne, konnte mir nichts anderes vorstellen. Doch es wurde zur bitteren Wahrheit. Doch wurde auch zur Wahrheit, das neue Menschen in mein Boot oder in meinen Lebenszug einsteigen. Keine Menschen, die einfach nur Widerstand leisten und darin verharren, nein, Menschen, die bereit sind, zu handeln für sich selbst und andere. Das gefällt mir. Wörter, die viele nicht mehr hören möchten, da sie mit Arbeit verbunden sind, Eigenverantwortung und Eigeninitiative.

Sag mir, wo die Freiheit ist?

Wo ist sie geblieben?
Sag mir, wo das Lachen ist? Was ist geschen?
Angstschüren,Singverbot: Viele Menschen in Not!
Wann wird man je verstehn?

Sag mir, wo die Vielfalt ist?
Wo ist sie geblieben?
Sag mir, wo der Austausch ist? Was ist geschehn?
Andre Meinung wird zensiert, ausgegrenzt und diffamiert. Wann wird man je verstehn?

Sag mir, wo die Wahrheit ist?
Wo ist sie geblieben?
Sag mir, wo die Klarheit ist? Was ist geschehn?
Kein Vertrauen in Politik, Forschung, Medien und Justiz. Wann wird man je verstehn? 

Sag mir, wo die Echtheit ist?
Wo ist sie geblieben?
Sag mir, wo das Menschsein ist? Was ist geschehn?
Edle Werte sind verdreht, wie auch Solidarität. Wann wird man je verstehn?

Sag mir, wo die Würde ist? Wo ist sie geblieben?
Sag mir, wo die Liebe ist? Was ist geschehn?
Wie viel Leben opfern wir, für Sicherheit und Macht und Gier?
Wann wird man je verstehn?

Sag mir, wo die Narren sind?
Wo sind sie geblieben?
Sag mir, wo die Weisen sind? Was ist geschehn?
Menschen müssen dienen, den Zahlen und Machinen.
Wann wird man je verstehn?

Holen wir uns all das zurück, mutig, offen, mit Vertraun.
Schaffen wir gemeinsam Glück!
Dan wird’s geschehn!

Freudvoll packen wir das an!
Sind uns treu und bleiben dran!
Dann werden wir verstehn.

Quelle: Text neu: K. J. Beck & M. Gerber

Suna Lommen/Toggenburg24