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Kanton
13.05.2021
19.05.2021 09:10 Uhr

Betrieb für die kommende Generation erhalten

Titus und Kathrin Kraaz möchten ihren Hof dereinst in die Hände ihrer Kinder geben.
Titus und Kathrin Kraaz möchten ihren Hof dereinst in die Hände ihrer Kinder geben. Bild: zVg
Auf dem Biohof Schmitten leben nicht nur Titus und Kathrin Kraaz, ihre sechs Kinder und die Grosseltern, sondern auch 26 Milchkühe samt Jungvieh und 4300 Hühner. Damit das Lebenswerk nicht bedroht ist, braucht es ein NEIN.

Das Zuhause der Familie Kraaz gibt den beeindruckenden Blick frei auf Speer, Chüemettler und Federi. Vor dieser Kulisse greifen viele Rädchen ineinander, damit auf dem Biohof Schmitten alles funktioniert. Die Grosseltern Wendelin und Emma Kraaz leben auch mit Titus, Kathrin Kraaz, den 6 Enkelkindern, 26 Kühen samt Jungvieh und 4300 Hühner leben auf diesem Biohof.

21 Lebenstage bei 32 Grad und Wohnzimmertemperatur

Kaum öffnet sich die Türe zum grossen Vormaststall kommt «Leben in die Bude». Die Küken verbringen hier ihre ersten 21 Lebenstage und lassen bei anfänglich 32 Grad und später bei Wohnzimmertemperatur ein aussentaugliches Federkleid spriessen. «Seit zwei Jahren wird hier mit Bodenheizung gewohnt», lacht Kathrin Kraaz. Ihr Ehemann ergänzt: «Der Wechsel von den Heizstrahlern zur Bodenheizung brachte uns nebst optimaler Handhabung der Wärme auch eine Reduzierung des Energieverbrauchs.»

950 m2 bringen 160'000 Kilowattstunden Energie

In Sachen Energiesparen und sauberem Strom sind die innovativen Bauern schon seit 2015 zeitgemäss unterwegs. Eine Photovoltaikanlage von 950 Quadratmetern auf dem Stalldach bringt dem Betrieb jährlich 160'000 Kilowattstunden Energie. Für Einsparungen sorgen auch die Wärmepumpe bei den Hühnern sowie die frequenzgesteuerte Vakuumpumpe bei der Melkmaschine plus Wärmepumpenboiler. Last but not least nutzt die Familie ein Elektroauto für Fahrten in der Umgebung.

Ein Zuhause für drei Generationen, Andrea wächst mit 4 Schwestern und einem Bruder auf dem Benkner Büchel auf. Bild: St Galler Bauernverband

Ausreichender Futter-Eigenanbau nicht möglich

Nach drei Wochen heisst es für die Hühner dann aber raus aus der wohligen Wärme. In insgesamt sechs Aussenställen leben die Tiere nach strengen Bio-Richtlinien mit täglichem Weidegang für eine Mastdauer von mindestens 63 Tagen.

Die mobilen Ställe werden nach jedem Umtrieb – so heisst die Belegung der Ställe mit frischen Hühnern – an einen neuen Standort versetzt.

Die Bio-Hühnermast, welche notabene eine Hennen- und Hähnemast ist, betreibt die Familie Kraaz für die Firma Bell. Titus Kraaz hat über die letzten 20 Jahre viel in diesen Betriebszweig investiert und freut sich über dessen Entwicklung sowie das regelmässige und sichere Einkommen: «Die Abläufe sind eingespielt, und wir konnten über all die Jahre viele Erfahrungen insbesondere in Punkto Tierwohl und Tiergesundheit sammeln. Antibiotika mussten wir erst einmal, ganz in der Anfangszeit, einsetzen.» Das gentechfreie Futter für die Hühner kommt aus dem EU-Raum, genügend Landressourcen für den von der Trinkwasserinitiative geforderten Eigenanbau hat Familie Kraaz nicht. Ein Zukauf von teurem Futter aus dem Inland würde die Betriebskosten in die Höhe schiessen lassen.

S'Hüsli wird schon bald für «Ferienauf dem Bauernhof» einladen. Der Biohof Schmitten liegt in Benken (Linthgebiet). Bild: St. Galler Bauernverband

Bewusst für Bio-Landbau entschieden

«Silver», bei der Prämierung der schönsten Kühe zur Vize-Miss-Linth 2019 gekürt, steckt den Kopf der Kamera entgegen. Sie scheint die Aufmerksamkeit zu geniessen. Neben der «Schönheitskönigin» stehen noch 26 andere Braunviehdamen im Schmitten-Stall.

Die schönen Kühe und das munter 20 köpfige Jungvieh sind der ganze Stolz des leidenschaftlichen Züchters. Nur im Akutfall werden die Tiere zurückhaltend mit Antibiotika behandelt. Ansonsten setzt Kathrin Kraaz auf Homöopathie oder verabreicht auch schon mal eine stärkende Bouillon bei den Kleinsten. «Die Grundfütterung wird durch den biologischen Landbau sichergestellt und die Nährstoffbilanz und somit der Nährstoffkreislauf sind intakt», so der Tenor der Bauern.

Verschiedene Wiesen gehören zu regionalen Vernetzungs- und Landschaftsqualitätsprojekten. So ist auch der extensiv bewirtschaftete Obstgarten auf dem Hof Teil des Projektes. Er bietet Schattenplätze für die Hühner, liefert Tafelobst und gehört für die Familie zur Kultur eines Bauernbetriebes dazu.

Weiteres Standbein – Ferien auf dem Bauernhof

Pflanzenschutzmittel gemäss der Liste des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau (FiBL) werden auf dem Bio-Hof kaum eingesetzt und gegen Problempflanzen und Neophyten geht die Familie generell mechanisch vor. «Blacken werden wo nötig ausgestochen. Versuche mit dem biokompatiblen Heisswasserverfahren waren auch schon erfolgreich.» Als weiteres Standbein möchte die Familie ab Sommer 2021 Ferien auf dem Bauernhof anbieten. Ein kleines freistehendes Häuschen mit Blick in die Linthebene und auf die imposante Bergewelt wird aktuell dafür hergerichtet.

 

Kathrin Kraaz, die «Küken-Mutter» kümmert sich gerne um den Nachwuchs und Titus ist leidenschaftlicher Braunviehzüchter. Bild: St. Galler Bauernverband

Agrar-Initiativen verfehlen das Ziel

Die Herausforderungen in der Landwirtschaft wachsen – auch ohne neue Reglementarien. Direkte Auswirkungen haben besonders die immer heisser werdenden Sommer, welche die Vegetation aufgrund der Trockenheit im Wachstum bremsen und den Zukauf von Futter nötig machen. «Seit 2018 sehen wir diese Tendenz», betont Kraaz.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz sind der gelernte Landwirt Titus Kraaz und die ausgebildete Krankenschwester Kathrin Kraaz Bauersleute mit Leib und Seele. Beide arbeiten Vollzeit auf dem Hof und auch der 19-jährige Sohn Josef hat als angehender Landwirt diesen Berufsweg eingeschlagen.

«Wir möchten der nächsten Generation einen wirtschaftlich intakten und entwicklungsfähigen Hof übergeben können», betonen Kraaz’. Die Familie steht zum Pflanzen-, Umwelt- und Ressourcenschutz, aber das überzogene Paket in der Trinkwasser- und der Pestizid-Initiative bringt die Lebensplanung von Titus und Kathrin Kraaz in Gefahr. «Bei Annahme der Initiativen könnte unsere Bio-Betrieb nicht mehr rentabel funktionieren. Wir müssten wohl unsere Hühnermast aufgeben. Eine Intensivierung der Milchkuhhaltung macht für uns jedoch auch keinen Sinn, weil nicht genügend eigenes Futter erwirtschaftet werden kann.» Mit den Forderungen der beiden Initiativen beisst sich die Sache in den Schwanz, oder wie es Titus Kraaz treffend ausdrückt: «Die auf dem Reissbrett entwickelten Initiativen funktionieren in der Realität der Bauern nicht.»

  • Gina bewacht Haus und Hof samt 4300 Hühner. Bild: St. Galler Bauernverband
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  • Vor den mobilen Ställen gibt es für die Hühner eine grosse Freilauffläche. Bild: St. Galler Bauernverband
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  • Titus und Kathrin Kraaz schätzen und achten die Natur auf dem schönen Benkner Büchel. Bild: St. Galler Bauernverband
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  • Vize-Miss-Benken «Silver» fühlt sich wohl auf dem Biohof Schmitten. Bild: St. Galler Bauernverband
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  • Wohlige Wärme für die Küken dank Bodenheizung. Bild: St. Galler Bauernverband
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  • Die Photovoltaikanlage auf dem Stalldach liefert 160'000 Kilowattstunden Energie pro Jahr. Bild: St. Galler Bauernverband
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Betriebsspiegel

Hof Schmitten (Biobetrieb)
Milch- und Geflügelproduktion
Schmitten 1, Benkner Büchel
Politische Gemeinde Benken

Familie

Titus und Kathrin Kraaz
5 Mädchen und 1 Junge
Grosseltern Wendelin und Emma Kraaz.

Fläche: 23 Hektaren

Tierbestand: durchschnittlich 4300 Hühner, 26 Kühe und 20 Jungtiere

Label: Bio Suisse

Gabi Corvi, St. Galler Bauernverband/Toggenburg24