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08.04.2021

Trainer-Legende Alexei Mishin in Rapperswil-Jona

Ruhig und mit viel Humor trainierte Alexei Mishin Eisläuferinnen in Rapperswil-Jona. Bild: Franz Feldmann
Einer der grössten Eislauftrainer der Gegenwart, der 80-jährige Alexei Mishin, gab letzte Woche in der Eishalle von Rapperswil-Jona vielen jungen Talenten Tipps auf dem Eis.

Es ist eine fast gespenstische Stille im Rapperswiler Eisstadion. Nur ein paar Kufen erzeugen ein Geräusch auf dem Eis. Es ist Training. Eine ganze Woche lang. Aber es sind nicht die SCRJ Lakers, die sich auf die Pre-Playoffs vorbereiten. Es sind viele junge Eiskunstläuferinnen des Eislaufclubs Rapperswil-Jona und des Dübendorfer Eislaufclubs, die sich extra eine Woche lang von ihren Schulen haben dispensieren lassen. Ein grosser Aufwand. Doch wozu? Was ist der Anlass? Dem schnellen Auge entgeht fast, wer eigentlich für das Treiben auf dem Eis zuständig ist. Dann, bei genauerem Hinsehen wird offensichtlich, wer die jungen Mädchen und Damen dirigiert. Ein älterer Herr mit Schirmmütze. Ruhig gleitet er dahin, nickt ein bisschen mit dem Kopf, korrigiert diskret mit einer einfachen Handbewegung bei einer vorbeifahrenden Eisläuferin ein Detail. Doch wer ist dieser Mann? Es ist Alexei Mishin. Einer der absoluten Top-Trainer.

Alexei Mishin ist bereits 80-jährig. Bild: Franz Feldmann

Er ist gerade erst von den Weltmeisterschaften in Stockholm gekommen. Wusste lange nicht, ob eine Anreise in die Schweiz überhaupt möglich ist. Alexei Mishin ist eine absolute Koryphäe auf dem Gebiet des Eislaufes. Selbst hat er es zwar nie zu einer Goldmedaille an Weltmeisterschaften geschafft. Doch seine Methoden, die lange belächelt wurden, sind heute Standard. Seine Athletinnen und Athleten holen Gold an Olympia und Weltmeisterschaften. Immer noch arbeitet er an einer Universität in St. Petersburg. Dies mit über 80 Jahren. Dass er in Rapperswil-Jona sein Wissen weitergibt, ist etwa so, wie wenn José Mourinho auf dem Fussballplatz nebenan Junioren trainieren würde.

Ruhig und bescheiden

Er hat alles erlebt, vom sowjetischen System über die Öffnung hinaus. Im Gegensatz zu vielen seiner Kolleginnen und Kollegen ist er nie dem Reiz des schnellen Geldes erlegen. Er blieb in Russland, reiste nicht in lukrative Länder wie die USA aus, um sein Wissen zu vergolden. Er ist ruhig und bescheiden geblieben. «Ich hielt es nie für nötig, mich mit meinen erfolgreichen Athletinnen und Athleten zu brüsten», erklärt er. «Im Gegenteil. Ich bin meinen Sportlerinnen und Sportlern dankbar dafür, dass ich mit ihnen arbeiten und so zu ihrem Erfolg beitragen durfte.»

Dass es ihm dabei ernst ist, sieht man in seinen Augen. Auch wenn er in seinem langen Leben viel durchgemacht hat, zeigt sich beim Interview, aber auch bei seiner Arbeit auf dem Eis viel Schalk in seinen Augen. «Ja, ich habe viel Humor und kann auch über mich lachen», sagt er, darauf angesprochen. «Entweder du lachst oder das Leben lacht über dich», ist seine Devise. Damit scheint er in den vielen vergangenen Jahren gut gefahren zu sein.

Immer zu einem Spässchen aufgelegt: Eiskunstlauftrainer-Legende Alexei Mishin. Bild: Franz Feldmann

Ob er als Trainer auf dem Eis immer so ruhig und mit Bedacht Anweisungen gibt? Diese Frage drängt sich auf. Denn Trainer aus dem Osten waren bei uns lange als eisenharte Antreiber bekannt. «Wissen Sie, es macht keinen Sinn, mit Amateursportlern auf dem Eis hart ins Gericht zu gehen», erklärt er.

Gleichzeitig lässt er mit einem Schmunzeln offen, wie hart er zu seinen Olympiasiegern und Weltmeistern sein kann. Das Schmunzeln, das er zuvor auf dem Eis gezeigt hat. Ob die vielen jungen Eisläuferinnen wirklich wissen, wer da vor ihnen auf dem Eis steht? Viele wohl nicht. Sie sind wahrscheinlich zu jung, um zu wissen, dass Alexei Mishin Leute wie Jewgeni Pljuschtschenko, Alexei Jagudin und Alexei Urmanov zu Olympiasiegern gemacht hat. Dass er noch heute wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Biomechanik im Eislaufen verfasst.

Das ist an diesem Nachmittag auch gar nicht wichtig. Wichtig ist den jungen Eisläuferinnen, dass sie genug Eiszeit bekommen haben. Und das war nur in Rapperswil-Jona möglich. «Wir sind sehr dankbar, dass wir hier in Rapperswil die Möglichkeit erhalten haben, auf dem Eis zu trainieren», sagt Dübendorfs Trainerin Lucie-­Anne Blazek.

«Mir gefällt die Schweiz»

Und was bringt einen solch ausgewiesenen Fachmann in die Eislauf-Provinz? «Ich kenne viele hier, habe schon jahrelang mit verschiedenen Leuten zusammengearbeitet», sagt Mishin, wieder mit einem Schmunzeln. «Zudem gefallen mir die Berge, der See, überhaupt die Schweiz», wie er versichert. Was er aber privat so alles unternimmt, will er nicht preisgeben. Er gibt die Hand, verabschiedet sich und läuft ruhig davon. So, wie zuvor auf dem Eis.

Linth24 / March24/Toggenburg24