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Kanton
08.03.2021

Frauen im Militär – normal, oder?

Anteil an Frauen in der Armee gering. Bild: pd
Das Amt für Militär und Zivilschutz macht sich am heutigen Internationalen Frauentag für die Gleichberechtigung stark. Noch immer ist der Anteil an Frauen in der Armee gering.

Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Dieser Verfassungsgrundsatz gilt auch in der Armee. Gleiche Leistung, gleiche Chancen, so das Motto. Noch ist der Anteil an Frauen in der Armee aber gering. Mit ein Grund dafür: Oft werden Frauen, die Militärdienst leisten, zwar im Dienst, aber keineswegs von ihrem zivilen Umfeld und der Öffentlichkeit gleichbehandelt wie männliche Angehörige der Armee. Auf diesen Widerspruch macht am heutigen Internationalen Frauentag das Amt für Militär und Zivilschutz aufmerksam.

«Frauen werden als Exotinnen behandelt»

Auf den ersten Blick scheint es überraschend, dass sich die Armee am Internationalen Frauentag (IWD) für Gleichberechtigung stark macht, heisst es in einer Medienmitteilung am Montag. Militärdienst zu leisten, ist ein Recht, das sich alle Schweizerinnen nehmen können, wenn sie das wollen. Für die Frauen, die sich für diesen Weg entscheiden, ist er selbstverständlich – so auch für die Armee und ihre Kader.

Von ihrem Umfeld und der Öffentlichkeit hingegen werden Frauen in der Armee oft als Exotinnen behandelt. Diesem Bild will das Amt für Militär und Zivilschutz des Kantons St.Gallen entgegentreten, denn das Kampagnenthema des diesjährigen IWD ist «#ChooseToChallenge». Es geht darum, auf Bereiche hinzuweisen, wo Frauen noch nicht gleichbehandelt werden.

«Tonnenschweres Zeichen» in der Stadt

Das Amt für Militär und Zivilschutz hat heute mit einem «tonnenschweren Zeichen» auf diesen Umstand hingewiesen. Auf dem Kornhausplatz beim Bahnhof St.Gallen haben militärische Fahrzeuge mit einem Banner die Frage «Frauen im Militär, normal – oder?» ins öffentliche Licht gerückt. Frau Major Tamara Rancetti-Hauri und Frau Hauptfeldweibel Desirée Pelloni haben interessierten Medienschaffenden von ihren Erfahrungen berichtet.

Aussehen rückt in den Mittelpunkt

Ein Beispiel: «Wenn ich im Tarnanzug durch die Stadt gehe, werde ich gefragt, ob ich wirklich eine Angehörige der Armee bin – so als Frau. Und wenn die Medien über mich berichten, werden immer meine langen Haare, meine Schminke oder meine Fingerringe thematisiert. Mein Aussehen rückt in den Mittelpunkt, obwohl es nicht darum geht. Das wäre bei keinem männlichen Kollegen so», erklärt Frau Major Tamara Rancetti-Hauri. Ihr sei es wichtig, dass Frauen ihre Möglichkeiten kennen würden und frei entscheiden könnten, ihren Beitrag zur Sicherheit zu leisten, ohne dafür hinterfragt zu werden.

Ein erster Schritt dazu sei, die öffentliche Wahrnehmung einer Frau im Tarnanzug zu normalisieren und das Recht einer Frau, Militärdienst zu leisten, anzuerkennen – ohne sie auf ihr Geschlecht und ihr Äusseres zu reduzieren.

Gemischte Teams in der Armee zum Ziel

Noch ist der Anteil an Frauen in der Armee gering. Zum ersten Mal jedoch steht der Armee mit Bundesrätin Viola Amherd eine Frau vor. Der Kanton St.Gallen engagiert sich zudem für mehr Frauen im Militär – Oberstleutnant Elisabeth Stadelmann-Meier, Präsidentin der Offiziersgesellschaft des Kantons, war bei ihrer Wahl 2019 sogar die erste Frau in einem vergleichbaren Posten.

Für Männer ist die Rekrutierung Pflicht. Immer mehr Kantone schreiben aber auch Frauen an, um sie über ihre Möglichkeiten und Chancen in der Armee zu informieren. Aus Erfahrung zeigt sich Oberst Andreas Schwarz, Kreiskommandant des Kantons St.Gallen, überzeugt, dass gemischte Teams eine Bereicherung für die Armee sind. Es werde Zeit zu zeigen, dass die Armee keine Männerdomäne mehr sein wolle.

mik/pd/toggenburg24