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24.01.2021

Das Streusalz landet so oder so im Zürichsee

Der Schnee muss von den Strassen abgetragen und an geprüften Orten entsorgt werden. Leserinnen und Leser sind über die Umweltbelastungen besorgt. Bild: hrr
Die Bürger sind besorgt über die korrekte Schnee-Entsorgung. Nun nimmt das Amt für Gewässer Stellung und weist auf fünf Grundsätze zur korrekten Schneeablagerung hin.

Tonnenweise verschmutzter Schnee wird in den Zürichsee geschüttet. Es ist schlichtweg deprimierend, dass die Behörden nichts dagegen unternehmen», schrieb ein besorgter Leser aus der Region Höfe. Er habe beobachtet, wie die vom Kanton vorgesehenen Ablagerungsstellen nicht nur von den öffentlichen Diensten genutzt werden, sondern auch von Unternehmen – dies sei jedoch für Private nicht erlaubt. «Es wird da nicht ökologisch gehandelt, nur die Ökonomie steht im Vordergrund», folgerte der Pfäffiker. Auch andere Ausserschwyzer meldeten sich und zeigten sich über die Umweltbelastungen besorgt. Deshalb wurde die Nachfrage beim zuständigen Amt für Gewässer nötig.

Problematik bekannt

«Das ist zurzeit ein grosses Thema», sagt Sandro Betschart vom Amt für Gewässer zur genannten Problematik im Kanton. Ihn erreichten in den vergangenen Tagen unzählige Anfragen von besorgten Bürgern, die sich betreffend der korrekten Schnee-Entsorgung erkundigten. «Die Meinungen betreffend der Empfehlungen gehen auseinander. Der Kanton hat deshalb bereits vor Jahren Richtwerte ausgearbeitet, um die Umwelt zu schützen.» Betschart verweist auf das kantonale Merkblatt, in dem fünf Grundsätze zur korrekten Schneeablagerung aufgeführt sind. Unter anderem dürfen Private keinen Schnee in die Gewässer einbringen, auf Schwarzräumung soll möglichst verzichtet werden, und in den Gewässern dürfen nur die öffentlichen Dienste Schnee einbringen, der nicht älter als 48 Stunden und nur mässig belastet ist. «Das sind die kantonalen Empfehlungen, die von Bezirken und Gemeinden umgesetzt werden sollten», erklärt Betschart.

Bild: hrr

In der Praxis schwierig zu prüfen

Zudem hat der Kanton die Standorte zur korrekten Entsorgung geprüft, die von den öffentlichen Diensten genutzt werden dürfen. Diese Orte sind auf der Schneeablagerungskarte eingezeichnet, sie ist im Internet online zugänglich. Private sind jedoch aufgefordert, den Schnee bei sich auf dem privaten Grundstück zu lagern. Unter bestimmten Voraussetzungen sei die unrechtmässige Entsorgung gar strafbar. Dies sei beispielsweise der Fall, wenn die Schnee-Entsorgung gegen das eidgenössische Gewässerschutzgesetz oder das Bundesgesetz über die Fischerei verstosse, berichtet Betschart von seinen Abklärungen mit dem Rechtsdienst. Falls grosse Mengen an Schnee entsorgt würden, käme gar der Hochwasserschutz zum Zug.

Doch es komme selten zu einem Strafverfahren. Es sei schwierig, das Einhalten der Grundsätze zu kontrollieren. Das Amt für Gewässer appelliert deshalb, dass «Unternehmen und Gemeinden je nach Schneeverhältnissen und Situation zusammen anschauen, wie die Entsorgung ökologisch geregelt werden kann». Betschart nennt ein konkretes Beispiel: «In Einsiedeln haben Private und Unternehmen an den vorgesehenen Ablagerungsstellen so viel Schnee entsorgt, dass der Bezirk keinen Platz mehr für seine eigene Schnee-Entsorgung hatte. Seither stellt Einsiedeln zwei Wiesen zur Verfügung.»

Ein weiterer Appell: «Anstelle einer Schwarzräumung sollte geprüft werden, den Schnee auf einem grossen Areal oder auf zwei, drei Parkplätzen zu lagern.» Es sei in erster Linie für die Sicherheit zu sorgen. Dies betreffe insbesondere die Räumung im Strassenverkehr. «Bei stark befahrenen Strassen ist es beispielsweise sinnvoll, Trottoirs ganz vom Schnee zu befreien. Vor allem für Schüler, Mütter mit ihren Kinderwägen oder Velofahrer, die gezwungenermassen auf die Strasse ausweichen müssen, ist dies gefährlich.»

Möglichst wenig salzen

Es ist empfohlen, den Schnee innert 48 Stunden von den Strassen abzutragen, wenn die Verschmutzungen durch das Salzen im Schmelzwasser noch mässig sind. Das Merkblatt sieht zudem vor, möglichst wenig Salz zu verwenden. «Die neuen Meteor-Wasserleitungen führen heute teilweise von den Strassen direkt in die Gewässer», erklärt Sandro Betschart jeweils auch beunruhigten Bürgern am Telefon.

Da das Abwasser von den Strassen immer sauberer werde und immer seltener durch die ARA gefiltert werden muss, entlastet dies nicht zuletzt die ARA. «Ob das Salz nun mit dem Schnee direkt in das Gewässer geworfen wird oder über die Leitungen in die Gewässer gelangt, spielt immer weniger eine Rolle.»

Linth24/ March24/Toggenburg24