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09.11.2020
07.11.2020 11:43 Uhr

Mit handgeschriebenem Brief auf Seelenfang

Die Zeugen Jehovas richten sich mit handgeschriebenen, persönlichen Briefen an ältere Menschen, um bei ihnen zu missionieren.
Die Zeugen Jehovas erleben in der Coronakrise Hochkonjunktur für ihre Mission. Mit handgeschriebenen Briefen allerdings brüskieren sie ältere Menschen - auch in Rapperswil.

Als wäre die Coronakrise nicht schon schwierig genug, nutzen nun die Zeugen Jehovas die fragile Situation älterer Menschen, um bei ihnen zu missionieren und sie in neue Abhängigkeiten zu führen, die scheinbares Heil versprechen. Linth24 liegt ein handgeschriebener Brief vor, welchen der Verfasser M.O.* an eine ihm völlig unbekannte Person richtet.

«Angesichts der künftigen Bedingungen im Zusammenhang mit der Pandemie möchte ich mit Ihnen einen ermutigenden Gedanken teilen» heisst es zu Beginn des Schreibens. Zum Schluss wird auf Website und Mail-Kontakt verwiesen.

Linth24-Leserin G.R.* sagt dazu: «Ich war völlig perplex, als ich den an mich persönlich und von Hand angeschriebenen Brief öffnete. Woher kennt mich dieser Mann? Woher weiss er, dass ich alleine lebe und im hohen Alter bin? Ich habe ihn noch nie getroffen.» Und das möchte sie auch nicht, sondern empfindet das Vorgehen als übergriffig und nicht adäquat.

*Name der Redaktion bekannt.

Einsamkeit benutzen

Fundamentale Christen in Rapperswil benutzen also Einsamkeit und Unsicherheit älterer Mitmenschen, um in der schwierigen Corona-Zeit zu missionieren. Die Zeit dafür könnte wohl aus ihrer Sicht nicht besser sein, denn:

Die besonderen Lebensumstände, in welche viele Menschen seit dem Frühling durch das Coronavirus gedrängt werden, trifft einen Teil der Bevölkerung besonders hart. Es sind die Betagten, welche – unabhängig davon, ob sie noch selbständig wohnen oder bereits Betreuung und Pflege brauchen – in ganz besonderem Masse auf soziale Kontakte angewiesen sind.

Isolation, Vereinsamung, Depressionen

Liebe, Fürsorge, Gespräche und Begegnungen mit Familie und Freunden bekommen im Alter einen  höheren Stellenwert. Das Zusammenleben in der Nachbarschaft wird intensiver, weil man nicht mehr im Erwerbsleben steht und deshalb mehr Anteil am Alltag Anderer nimmt.

Der Lockdown im März und die darauffolgenden strengen Massnahmen waren ein harter Schnitt in das soziale Gefüge unserer älteren Mitmenschen. Die Folgen sind Isolation, Vereinsamung, Depressionen bis hin zu Suizidgedanken, Verringerung der geistigen Beweglichkeit und kognitiver Fähigkeiten.

Kommentar

Man spürt die Verunsicherung von G.R. im persönlichen Gespräch gut. Und man merkt ihre Ablehnung gegenüber dem Versuch, die schwierige Corona-Situation auszunutzen, um neue «Jünger» anzuwerben. Religionsfreiheit geniesst einen hohen Stellenwert in der Schweiz. Glaubensbekenntnisse fundamentaler Richtungen sollten aber nicht missbraucht werden, um in schwierigen Zeiten an Menschen heranzutreten, die nicht danach fragen oder verlangen. Am wenigsten auf einer Ebene, die eine persönliche Beziehung vorgaukelt.

Markus Arnitz, freier Mitarbeiter Linth24/Toggenburg24